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Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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Aus der Bewegung Bericht der Vundesleituirg Aus der verflossenen Bcrichtsperiode ist neben oielcm Günstigen allerlei Unerfreuliches zu berichten. Günstig ist die weitere Ausdehnung unseres Bundes, der allmählich in allen gröberen Gemeinden Wurzeln schlägt. Auch in der Schweiz gewinnt der Blau-Weiögcdanke an Baden. Dem „Blau-Weib" Bund für Jüdisches Jngendwandern in der Schweiz gehören die Jüdischen Wanderbünde „Blau-Weiß" Basel. Bern und Zürich an. -- Die Beteiligung an den Wanderungen hat sich »lach den letzten Nachrichten etwas gehoben, boch bleibt sie immer noch Ijiutcr den bescheidensten Anforderungen zurück. Die Zahl der Blan-Weiben hat etwas zugeuommen. Von dem kommenden Frühjahr erwarten wir die lebhafteste Werbetätigkeit. Wir sind gern bereit, den Führern auf Wunsch „Flugschriften" sowie „Blan-Weiß-Blätter" des letzten Jahrganges (Heft 3 und 4) für die Propaganda zur Verfügung zu stellen. Leider ist es in den verflossenen Monaten in einigen Bünden Anseinandersetznugen gekommen, die geeignet waren bcti ganzen Blau-Weiß schwer zu schädigen. Nachdem diese Gefahr im allgemeinen beseitigt ist, mag kurz darüber berichtet werden. Ihr werdet aus den Mitteilungen des Berliner Bundes in der vorigen Nummer der Blau-Weibblätter entnommen haben, daß etwa 10 Führer und Wanderer aus dem Bunde ausgeschieden sind, weil sie die Zugehörigkeit 311 unserer Gemeinschaft mit ihrer Ueberzeugnng nicht mehr vereinbaren zu können meinten Inzwischen haben auch bctt Blau-Weiß Leipzig tt Wanderer und Wandrerinnen verlassen, die nicht zu den schlechtesten gehörten. Alle- Versuche, den einen oder den anderen zum Wiedereintritt zu bewegen, scheiterten. Im übrigen scheint niemand mehr Luft zu haben, ihrem Beispiel zu folgen, sodaß der große Blau-Weiß keine wesentliche Schädigung erlitten hat. Der Grund für das Ausscheiden lieber Gefährten aus unserem Bunde liegt darin, daß die Theorien Gerhard ScholcmS im Blau - Weiß Anhänger fanden Scholem stellt ein Programm auf, dessen positiv^jndischer Inhalt: Hebräisch, Jüdische Geschichte, jüdische Tradition von uns erkannt und anerkannt worden ist, schön bevor Gerhard Scholem derartige Forderungen erhoben hat. Die theoretische Begründung Scholems aber lehnen wir ebenso ab wie die individualistische, gemeinschaftsstörende Auffassung, die seinen Anschauungen zu Grunde liegt. Gerhard Scholem leugnet das Bestehen einer jüdischen Jugendbewegung. Er steht nur Organisationen, denen alle Insignien der Bewegung: Ganzheit, Geist und Größe fehlen. Von Geist und Große redet er in der Folge nicht mehr. Er legt alleinigen Wert auf die „Ganzheit". Er nennt die jüdische Jugend „verwirrt"» der entjudeten Unwelt verfallen und steht Rettung und Entwirrung nur in restloser Beschränkung, auf das Jüdische, in bedingungslosem Untertauchen in der jüdischen Tradition. Wer nicht auf alles verzichtet, was ehedem Reiz für ihn hatte, aus Wanderlust und Naturgennß, auf liebgewordene Bücher und Bilder; wer nicht allem abschwört, was ehedem für ihn wichtig war, was ihm menschlich wertvoll erschien» um sich statt dessen der Beschäftigung mit jüdischen Formen und Inhalten, dem Erarbeiten jüdischer Werte hinzugeben, der ist in Scholem's Augen ein Ketzer» 19*

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