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Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Ich war am Feuer echt und tief begeistert; aber davon will ich nichts mehr sagen, denn ich kann und will Dich nicht zwingen, mir zn glauben, besonders da wir nns nicht kennen. — Deinen Rat habe ich befolgt und die Berichte über Lockwitz und Lohs uachgelesen. Wenn Du Massenransch im wahren Sinne des Wortes meinst, so trifft das allerdings auf Lohs nicht zu. Ich war aufrichtig begeistert, ohne daß irgend ein Vcrantwortlichkeitsgefühl es schön finden zu miissen, auf mir lastete. Mir werden die Stunden am Feuer in Lohs immer ein tiefes, inneres Erleben bleiben. Und deshalb dachte ich. auf der Fahrt nach beut Bundestag und noch lange nachher immer so sehr viel an ihn. Da erst kam es mir zum Bewußtsein, daß wir am Feuer nur hebräische Lieder gesungen haben. Darin sah ich, daß wir weitergekommen sind und weiterscheeiten, ohne auch nur beit geringsten Teil unseres Schönbcitscmpstndens einzubüßen. Wenn Du dies „Zweckmäßigkeit", „ideale Zweckstrebigkeit" nennst, so verstehe ich Dich Nicht. Auf der Fahrt und überall denken wir natürlich nicht an den Zweck; dazu ist gar keine Zeit, wenn wir die Schönheit der Fahrt genießen wollen. Wir wandern natürlich um des Manderns willen und nicht um Muskeln zu kriegen. Mit offenen Augen durchstreifen wir beu deutschen Wald und kommen nicht darauf, den Libanon ins Niesengebirge zu verpflanzen. _ ■ Wenn Du aus meiner Ausführung entnahmst, daß ich hebräische Lieder ohne weiteres schöner finde als deutsche, so ist das ein Mißverständnis. Ich liebe unsere deutschen Lieder; aber wert» es nltS inneres Bedürfnis ist einmal nur hebräisch zu singen, ist das ein Fortschritt. Ich komme also wieder zu dem ftrittigcn Punkt — Schönheit und Zweckmäßigkeit, Wahrheit uub eingebildetes Gefühl! Darin aber hast Du vollkommen Recht, lieber deutsche Lieder mit Begeisterung, als unverstandene Hebräische! — Ein jeder Bundestag steht im Nahmen seiner Zeit uttb ihrer Ereignisse, darunter verstehe ich die letzten weltgeschichtlichen oder jüdischen Vorgänge unserer bewegten Zeit. Meine heutigen Ausführungen sind keine Erwiderung, sondern sollen meinen ersten Artikel erläutern, in dem ich mich ziemlich undeutlich ausgedrückt habe. Ich hoffe, jetzt haben wir uns verstanden. Schalom! Lisbeth Mannaberg Slititterfitttg der Schrrftleitung Damit ist die Erörterung „Lockwitz, Lohs und Strümpfelbrunn" geschloffen. Mau kann nicht darüber abstimmen lassen, ob der eine Bundestag dem Einzelnen mehr bedeuten dürfe als der andere oder nicht. Das entscheidet persönlichstes Empfinden; wir haben kein Recht darüber zu streiten oder zu lächeln. Etwas anderes ist eS, wenn der Brief Sidney HaSkels auf die wesentlichsten Fragen unserer Bewegung eingeht. Was über „schön" und „zweckstrebig" gesagt wurde, das sprengt doch beu Rahmen dieser Diskussion, und weist deutlich auf die tiefen, aber nicht unüberbrückbaren Gegensätze hin, die von Anfang an die Auffassungen vom Wesen des Blau - Weiß schieden. Wer dazu etwas zu sagen hat, möge eS tun. 18)

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