Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir versteckten uns im Heu so gut, daß uns niemand finden konnte und waren so ganz ungestört. Als ich eines Tages die Leiter zur Scheune hmanfstieg, entdeckte ich unterhalb des Daches alt der feuchten Walld ein Schwalbennest. Das war etwas für uns. Gleich rief ich die Anderen. Wir setzten uns ganz mäuschenstill auf die schmutzigen Sprossen der Leiter und warteten auf die Bewohner des Nestes. Die Vögel mußteit ihre Behausung ganz neu gebaut haben, denn wir hatten me vorher etwas davon gesehen. Wir betrachteten sie ganz genau. Sie war mit frischem Gras, mit Federn und Pferdehaaren schön ausgepolstert. Es dauerte llicht allzit lange, da erschien am Tore ein lebhaftes Schwälbcheu, Futter im Schnabel- Bald darauf kam eilt anderes, schaute sich zögernd um und setzte sich schließlich neben den Gefährten dem Neste gegenüber auf einen Flügel des Tores. — Wir verhielten uns regungslos, sodaß uns die. Böget nicht bemerkten. Daher flogen sie zum Nest heriiber und sogleich setzte sich das eine der Tierchen in bas gepolsterte Nnnd, während das andere ans.dem Rande hocken blieb und um« hcrspähte, wie eine Schildwache. Plötzlich machte der Vogel im Nest einige merkwürdige Windungen, ganz ähnlich einem legenden Huhn, das ich mal irgend wo beobachtet hatte; und wirklich war es das gleiche Geschäft, das hier die kleine Schwalbe verrichtete. Am nächsten Tage gewahrten wir fünf winzige Eier im Reste. Natürlich kamen wir jetzt alle Tage, mn zu sehen, was sich ereignete. Sehr oft konnten wir beobachten, daß das Männchen der brütenden Schwalbe Futter brachte, mal Würmer, mal etwas anderes. Jedenfalls war es unermüdlich. Als wir eines Tages wieder auf unserer gewohnten Sprosse saßen, merkten wir an der großen Aufregung unserer beiden Freunde, daß etwas besonderes zu erwarten war. Wir rührten uns also nicht vom Fleck und unsere Ausdauer wurde belohnt. Die weißen, graugefleckten, niedlichen Schwalbeneier begannen sich in schaukelnde Bewegung zu setzell. Die Jungen wollten ausschlüpfen. Die Wüter hatte schon vorher ihreli Kindern Platz gemacht, das Nest geräumt und sich wartend auf den Narld gesetzt. — Ein Ei nach dem andern platzte auf. Bald wurden die Körper der kleinen Schlvalben sichtbar. Das waren gar putzige Tierchen, die zur Welt kamen und sogleich ihre Köpfchen mit den weitoffenen Schnäbeln kreischend emporreckten, als hätte sie schon das Geborenwerden hungrig gemacht. Wirklich brachte ihnen die Mutter sofort Futter, indem sie ihrerr Schnabel schräg in den ihrer Jungen steckte. Schade, daß der Vater nicht dabei war; der war schon vorher fortgeflogen, gewiß um für seine Familie Futter zn holen. — Leider gingen die schönen Tage von H. so früh zu Ende, daß wir unsere Beobachtungen nicht abschließen konnten. Wir hätten gar zu gerne gesehen, wie es den kleinen Schwälbcheu in ihrem jungen Leben weiter erging. Berlin Werner Goldmanu Lieber Libney da ich Deine Erwiderung auf meinen Aufsatz gelesen habe und glaube, daß sie auf einem Mißverständnis beruht, möchte ich von dem Grund unserer verschiedenen Allsichten sprechen — Schönheit und Zweckmäßigkeit. Lohs war für mich . schön, bedeutete mir natürlich mehr als Lockwitz, da ich es wirklich erlebt habe. 188 '