Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2425321-3181713-3181718--0944-3182739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ES dauerte lange bis wir einsahen, daß die erträumten Steine nicht zum Mitnehmen umherliegen. Dann aber hatten wir viel Freude. Wir suchten nach reinem Bergqnarz, den man dort so leuchtend weiß findet. Wir fomttcu wieder stundenlang im Bach liegen und die vielen bunten Sternchen begucken und sie durch die Finger gleiten lassen. Da fcmbcii wir bald bunten Marmorquarz, schön abgeschliffene Kiesel, Feuersteine und anderes mehr. Ich glaube, wir drehten die ganze Mineralogie um; das Schöne war. auch wertvoll, strenge Richter sind wir nicht gewesen! Die Steinbude in Krummhubel stachelte uns wieder auf; wir besahen alles genau, kauften wenig und wollten manches schon gesehen haben. Ganz wundervoll waren die Drnscn der Amethyste; das sind meist abgerundete, graue Steine, in deren Innern sich die herrlichsten violetten Kristalle befinden. Wie Eiszapfen sind sie darin eingewachsen. „Steine" war das Losungswort des Tages. Wir suchten in ansgetrockneten Bachbetten zwischen der» Geröll, und endlich hätten tpir Gluck. Ich fand am Wege zur Kirche Wang einen kleinen, Hellen RanchtopaS mtd später gar einen Amethyst, in seiner charakteristischen U seifigen.Pilzform. Aitch ein Achat wurde entdeckt. DaS war ein Jubel! Als wir eines Abends vom „Gondeln" kommen, sehen wir ein paar unserer Mädels erregt sprechend und grabend vor unserem Quartier stehen. Sie Hatten mitten im Wege einen großen, selten schönen Marmorquarz entdeckt; den gruben sie nun im Schweiße ihres Angesichts aus. Wir hatten viel Freude an dem Fund und der Weg ein nicht kleines Loch. — Run konnten wir schon manches studieren. Den grauen oder rötlichen Granit kannten alle und bald wußten wir auch, daß der Gneis sich davon nur burd) die schiefrige Art unterscheidet. Glimmer¬ und Tonschiefer waren in Mengen da. Einige hielten sich schon fiir Kapazitäten, auf deren Urteil mau etwas geben müsse. Roseuquarz, Bergkristall und Goldfluß wählten wir in der Steinbude recht vorsichtig aus und ließen uns nichts vormachen. Abends holten dann die Eifrigsten ihre Schätze hervor ittib man bewunderte, kritisierte und war stolz. Wir find schon lange von der Fahrt zurück. Wir brauchen keine „Andenken", um uns an die sonnigen, durchlachten Tage zu erinnern; aber wem: ich mal vor meinem Steinkasten sitze und einen garnicht wertvollen, aber mir so lieben Quarz mit roten, blitzenden Kristallchen obenauf ansehe, dann denke ich an seine Heimat, den tollen Gebirgsbach, an die geliebten Berge, — an die Zeit, als wir „große Mineralogen" wurden. R a t i b o r L i s a I a c o b Das Schwalbennest Die Ferien waren wieder da und damit die große Fahrt. Wir hatten die Stadt hinter uns gelassen und zogen nun schon seit eitrigen Tagen über Land. Schließlich näherten wir uns dem kleinen, alter: Städtchen H. Da es so wunderschön war, beschloffen wir einige Tage dort zu verbringen. Wir quartierten uns in einem großen Bauernhause ein und durchlebten dort die schönsten Tage unserer Wanderung. Es war wirklich sehr fein. Wenn wir nicht in den Wald hinausgingen, spielten wir im HauS und im Garten; am allerliebsten freilich in der großen Scheune.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.