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Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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€tn Herbsttag zn Qatffe Ich Lin nicht mitgewandert, bin zn Hause geblieben. Draußen bläst der Herbstwind mit vollen Backen. Er zerrt die letzten Blätter vom Baume, wirbelt sie hoch hinauf in die Luft, läßt sie auf der Erde einen tollen Ringeltanz vollführen. Der Wind ist der Blätter liebster Gespiele. Er führt sie an zum Tanze und geigt und pfeift zugleich feine wilde Melodie. . Verstehst Du, was er jauchzt? — Komm heraus Menschenkind, du darfst nicht fehlen beim Neigen; halt mir stand, wenn ich Dich umstürme! — Ich muß an die denken, die heute wandern. Wie glücklich sind sie, die gegen den Wind ankämpfcn dürfen oder von ihm in den Rücken gepackt werden, daß cs noch einmal so rasch vorwärts geht, ein frisches Marschlied auf den Lippen. Die älteren Leute sind froh, uns zu Hanse zu haben „bei diesem Wetter". Wir wissen es besser. Schnee, Regen und Sturm haben wir ebenso lieb gewonnen, wie ben goldenen Sonnenschein. M a u nhei m L e n i H i l b Evinterfnhrten Die Chanukkahfahrt und die Ferienfahrt sind die großen Ereignisse der Wintermonate. — Unsere Makkabäerfeier war zum erstell Mal draußen im Freien. Es war eine wundervoll klare Willternacht, eine richtige Winternacht mit Schllee uub einem sternübersäten, tiefdnnklen Firmament. Hoch oben an einem Felsen wnrdell 8 Lichter entzündet — ein Baumstumpf mit Kerzlein war die Menorah. Das „.^oau8 rur" brauste aus 80 jungen Kehlen. Dalln lohte in unserer Mitte ein Holzstoß auf — die Funken sprühten, Lieder erklangen, wir Mädels tanztell die Horra, eine feurige, kurze Ansprache ward gehalten und die tüchtigstell Buben unb Mädels erhielten unser höchstes Ehrenzeichen — eilten filbcrncn „Magen David". Mehr will ich nicht davon erzählen, nur das Eine will ich Euch verraten — eine Saalfeier gibt's bei uns zn Ehannkkah nicht mehr! Und null zur Ferienfahrt. Im weltberühlllteil Holzschnitzerdorf Oberammergau babeu wir fünf köstliche Wintertage verlebt. — Ihr habt alle sicher schon von Oberammergan gehört. Es ist das Oberbayrische Gebirgsdorf, das durch seine Kunst und ganz besonders durch feilte Passtonsspiele merkwürdig ist. Diese biblischen Aufführungen der schlichten Dauern und Schnitzer finb so berühmt, daß ans allen Teilen der Welt Zuschaner znsammerlströmen. Das Passionstheater umfaßt 6000 Menschen. Jetzt steht es einsam und verlassen am Rande des Dorfes. Die berühmten Darsteller des Ehristns, Judas oder Petrus und lote sie alle heißen, tragen den feldgrauen Rock oder die schlichte Gebirgstracht. Es sind wirklich ganz herrliche Gestalten unter diesen Gliedern altberühmter Schallspielerfamilien. Wir hatten uns Oberammergan zum Winterquartier erwählt, weil es dort besonders feines Skigelände gibt. Die Berge sind hier mehr Vorberge, große, waldige Anhöhen, die von zwei Felszackell beherrscht werden, dem bekannten „fötaler Manrrdl" <1634 Mtr.) und dem Kavel. Die welligen, tiefverschlleiten Hügelketten boten herrliche Uebnngshänge. Ge-

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