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Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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„Auch die 30 Bücher, in denen die Menschen nach ihrem Werte verzeichnet sind?" „Die sind im siebenten Himmel." „Dann wollen wir dorthin gehen!" Sie übergingen also den vierten Himmel und gelangten in den fünften, wo die Freude und der Genuß hausten. Ihren» Vater Reichtum, folgten sie auf Schritt und Tritt. Dieser wieder zog einen langen Schatten, den Neid, hinter sich her. „Nein, die Gegend gefällt nur auch nicht, höher! höher!" eiferte der Jüngling. Da standen sie auch schon vor dem sechsten Stockwerk. Er schlüpfte durch eine kleine Geffnnng, blickte sich um und trat erstaunt einen Schritt zurück. Dort stand ein blonder Knabe mit einem Köcher an den Hüften, einem Bogen in der Hand, hatte rosa Brillen vor den Augen und ein Schild auf der'Brust: „Blinder Mann". Ehe der Jüngling fragen konnte, wer das wäre, gewahrte er eil» Mädchen von nie gedachter Schönheit, das hinter ihn» stand; ihr wallendes haar stoß in goldenen Strömen um ihre Schultern. Milde blickte» ihre wundersüßen Augen und auf ihrer zarte», weißen haut spiegelte Morgenrot „Das ist meine Tochter," sagte die Phantasie. — Ja, das war sie, die Hoffnung; trämnerisch blickte sie in die Ferne, auf den schönen blauen hintmel, der gegen die Mitte rosa wurde und nur ain äußersten Horizont einen schmalen, gelben Streifen erkennen ließ. Der Jüngling nahm die Hand des Mädchens und küßte sie andächtig und ehrfurchtsvoll. Dann kniete er nieder und bat sie, mit ihin den Weg des Lebens zu gehen. Sie nickte lächelnd und ging an seiner Seite dem gelben Horizonte zu. Er liebte sie in blinder Leidenschaft und war bereit, ihr alles, alles zu opfern, was er hatte oder irgendwie erlangen konnte. Der gelbe Streifen am horizente aber verbreiterte sich allmählich und plötzlich ward der Himmel gelb. In diesem Augenblick verschwand das schöne Mädchen. „Dl Weh' mir!" rief der Jüngling, „Du hast mich betrogen!" Kaum hatte er es schmerzerfüllt gerufen, als sie wieder erschien, sanft lächelnd und mit weicher, schmeichelnder Stinune sprach: „Nicht ich habe Dich betrogen, sondern mein blinder Bruder, der Traum." Da erwachte er in die kraste Wirklichkeit des Menschendaseins. Znaim Hans Engel

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