Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber ich weiß, daß liebevolle Betrachtung der Denkmäler aus jüdischer Vergangenheit in der Richtung unserer Blau-lveiß-Arbeit liegt. Ich habe auf einem Heimabend meiner Gruppe die Anregung zu einem ersten Spaziergang durch das „jüdische Berlin" gegeben und viel Interesse gefunden. Wir wollen an die Besichtigung natürlich auch geschichtliche Unterweisung -knüpfen und sind überzeugt, so den Sinn für jüdisch-historische Studien zu beleben, Treue und Anhänglichkeit zu wecken und zu erhalten. Berlin L st h e r A I e e Die beiden Fremden Es war kurz vor dem Pessachseste. Eine Prozession durchzog die Judengasse von Worms. Still war's ringsum, alle Fenster und.Türen waren geschlossen, denn die Inden fürchteten sich vor der Menge der Betenden. Nur der dumpfe Tritt der Tausende, der Helle vom Wind getragene Gesang der Chorknaben und das Gemurmel der Frommer» liehen sich hören. Plötzlich stockt der Zug, laute Flüche ertönen, Frage und zornige Antwort wird laut. Ein ungeheurer Frevel ist geschehen; das Bild des Heilands ist entweiht; eiir Fenster war geöffnet worden, und durch den Spalt goß jemand ekles Naß auf das vorangetragene Kruzifix. „Wer war'S?" „Wer wagte solche TatV „Das kann kein Christ gewesen sein!" „Die Inden waren's!" „Absicht war's, bewußter Hohn!" Schon donnern die Fäuste an die Tür des Hauses. „Heraus den Täter!" Beile blitzen, man sucht nach Steinen, ruft nach Fackeln. „Gebt ihn heraus!" Die Scharwache greift ein und drängt das Volk zurück. Ein Ratsherr redet zu der Menge: „Geht nach Hanse, Leute. Wenn's ein Hebräer war, dann wehe ihm! Auf dem Scheiterhaufen büßt er seine Schuld. Und liefert die Gemeinde ihr» bis zum siebenten Tage ihres verfluchten Festes nickt ans, so sterben alle Juden auf dem Scheiterhaufen. So wills der hohe Rat 5" Voller Entsetzen hörten es die Wormser Inden. Sie bebten hinter ihren geschlossenen Fensterläden. Wo war jetzt Festesfreude? Trüb ging der Tag herum, angstvoll die Nacht. Man fragte, forschte, suchte zu ermitteln.- Der Schuldige war nicht zu finden. Schon, war die Frist vorüber. DeS letzten Tages Morgen kam heran. Im Bethause lag die Gemeinde auf den Knien und sandte tiefe Seufzer empor znm Ewigen. Da pocht es an die Tür. Ist schon die Stunde da? So früh? Die Frauen weinen, die Männer starren finster nach der Pforte. Der Schammes öffnet- Blitzen keine Helme? Zwei Männer treten ein. Man schaut fie an und schreit entsetzt: „Wo kommt ihr her? WaS wollt ihr hier bei uns? Auch ihr seid Inden. Jst's nicht genug, daß wir heut sterben müssen? Wollt ihr noch unser Schicksal teilen?" Da lächelte der eine von ihnen und sagte:' „Wir wissen, was euch drückt und kommen euch zu helfen. Wir wollen uns als Täter melden!" „Seid ihr wahnsinnig? Man wird