Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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für ihre armen, verstoßenen Brüder schlug, die für ihren Glauben ihr Leben hinopferten, Männer, die mit Freuden den Mänyrertod starben, die nicht wankelmütig waren und sich nicht vor» einer Laune ihrer Unterdrücker leiten ließen, wie die Herbstblälter, die nur von einem leisen Windhauch bewegtihr Streben aufgeben. Bein, fest und sicher verfolgten die edlen Märtyrer ihren vorgeschriebenen weg und wenn er auch zum Tode führte! wie kalt und starr und doch so ehrfurchtgebietend blicken mich die alten wetterharten Grabsteine an. die unter sich so fruchtbaren Samen tragen. Der Geist dieser begnadeten Männer, deren Körper schon lange in Staub zerfallen sind, lebt im jüdischen Volke fort, wir wollen bestrebt sein, diesen Großen ähnlich zu werden und in Not und Tod treu bei der jüdischen Fahne ausharren." Die „Jüdische Presse" bemerkt, daß dieser interessante pädagogische versuch sich auch in Berlin empfehlen dürfte. Das ist zweifellos richtig. Wie wenige wissen bei uns etwas vom alten jüdischen Berlin, kennen etwa das Berliner Ghetto aus der Knrsürstenreit, den großen Iudenhof an der Iüdenstraße oder das Grab Moses Mendels» sohns auf dem alten Friedhof in der Großen Hamburgerstraße. Aehnlich wird es in den nleisten anderen Städten auch sein. Gewiß haben nicht alle Mrle Deutschlands wirklich Lehenswertes aufzuweisen. Nicht überall ist alte jüdische Kultur zu finden wie etwa in Worms oder in Mainz; aber an melm (Orten ist doch Bedeutungsvolles, das wir uns als wertvollen Besitz wieder zu eigen machen sollten, und das fast völlig vergessen ist. Wieviel Breslauer Kinder wissen etwas voll der Dyrheufürter Druckerei, wieviel hessische Inden vom alten Iudenbad in Friedberg oder den noch vorhandenen Er» innerwlgen an Frank und die Frankisten tu Gffenbach, wer in Hamburg oder Altona vermag von der alten, lange wohl schon nicht mehr benutzten portugisischen Synagoge und den Portugisengräbern, wer in Posen vom Lehrhaus Rabbi Akkiba Egers zu erzählen, und in Wei» ntar kennt auch niemand den stimmungsvollen, kleinen Friedhof jenseits der Ilm, wo der aus Goethes „Midings Tod" berühmte „thätige Llkan" seine letzte Ruhestätte gefunden hat. — Dann aber sollten^, wir auch Schlichtes und Kleines, das vielleicht nur eine ganz bescheidene lokalgeschichtliche Bedeutung hat, mit treuem Sinn betrachten und uns lieb werden lassen; ist es doch unser historisches Gut, Erinnerungen an unsere Väter, ihr Wirken und Sorgen, das letzten Endes uns als Glieder der Kette zu Gute kommt und uns stolz machen muß. Mb sich „Jüdische Heimatkunde" überall als Unterrichtsfach einführen läßt, vermag ich nicht zu beurteilen; ich möchte es glauben irr