Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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frühzeitig abgeschlossen, daß sie auf sie verzichtet haben oder gar entwicklungsunfälsig sind! Ihnen wird keine Erlösung. Ihnen nicht und nicht denen, die daS wohl wissen, aber mit Rücksicht ans die Meinung der Welt gleich ihnen handeln zu müssen glauben. Mnsz man? Nur um die Melodie eines Leierkastens, der auf dem Hof. dudelt, nicht zu stören? Ich fühle mich nicht dazu verpflichtet. „Takt regiert die Welt", hört man sagen. Das ist nicht wahr. Takt ist ein viel mißbrauchtes Wort; sagt lieber Heuchelei „ans Takt". Ich wuchs in Israel in einem anderen Glauben an Gott auf .... Am Blau-Heiß sollte es anders sein. Er sollte die Jugend ans dem Schlamme reißen Er sollte sie zu kämpfen lehren, sie durch Kämpfe zur Erlösung führen. In der Natur mag sich der Mensch zu seiner besseren Natur finden! Hier mag er in Reinheit seinem eigenen „Ich" zu dienen lernen und seinem größeren, dessen Teil er nur ist — feinem Volke. Das ist Erlösung. SPandan(Berlin) Joseph Gottlieb Jüdische Heimatkunde Hebe Blau-Weiße, darf ich heute eine Anregung geben, die ich der in Prag erscheinenden „Selbstwehr" und einem Hinweis in der Berliner „Jüdischen Presse" verdanke, und die für unsere Heimabende und manchen trüben Winter tag fruchtbar gernacht werden könnte? Wir haben auf der Schule alle in den unteren Klassen „Heimatkunde" gehabt, und viele von uns denken sicherlich.mil Freuds an die Stunden zurück. Die Talnrud-Thora-Religionsschule in Prag hat nun für das Schuljahr \9X7/ \8 5m Celjvplan erweitert uud in der siebenten Klaffe „jüdische Heimalkllrrde" eingeführt. Die Prager jüdische Jugend soll mit dem jüdischen Prag vertraut werden. Alter jüdischer Geist soll aus den Gräbern erstehen und das jüdische Gemüt der entwicklungsfähigen Prager Jugend befruchten. Die „Selbstwehr" weist als Ergebnis dieses Unterrichts auf 6m Aufsatz hin, den eine Schülerin der Talmud - Thora - Schule nach eurem Ausflug auf den alten jüdischen Friedhof zu Prag schrieb. Er mag auch hier Platz finden : Sin Besuch auf dem alten jüdischen Friedhof in j>rag. „Ein kalter windiger Herbsttag. Ueberall trockene, gelbe Blätter, Nebel und heulender wind, der die Zweige der Bäume dnrchwühlt und die armen müden Blätter zur Erde fallen läßt. Es ist ein eintöniges Lausen und Murmeln, ein Erinnern an die vergangene Sommerzeit, ein langsames Absterben und vergehen der göttlichen Natur. Grane Herbststimmung bemächtigt sich meiner. Ich stehe auf dem alten, ehrwürdigen Iudenfriedhof. Lin eigenes Gefühl durchzittert mein Gemüt und Ehrfurcht zieht in meine Seele ein. Stehe ich doch auf dem Boden, in welchem große gottbegabte Männer begraben sind. Es waren Männer, von denen so mancher das Wohl des Volkes höher als sein eigenes schätzte, deren Herz immer in Treue 177