Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Atemholen der Menschen regeln. Auch bei der alltäglichsten Sache der Welt darf keine Zeit versäumt werden. Zeit ist Geld. Die Männer des Geistes, von denen Martin Bnbers chasfidifche Legenden berichten, halten immer-Zeit.. Sogar der Gottesdienst wird versäumt, weil es eine Liebestat, die Beschwichtigung eines weinenden Aindes, gilt. Der Geist regiert. Zeit ist Freiheit. Die Zeit als Geld oder als Freiheit betrachten: das find die zwei Welten, vor denen der Genius der Menschheit fich zu entscheiden haben wird. Gekürzt aus „Der Zube", Ihrg. II, Heft 1/2. Erlösung Wir bringen diesen Aufsatz, weil er, ehrlicher Ueberzeugung entsprungen, die Meinung mancher Gefährten widerspiegelt. Die Schriftleitung. Jeder Mensch sehnt sich nach Erlösung und niemand kann nnd will ohne sie leben. Nur bedeutet sie für jeden etwas anderes. 'Dem einen kommt sie von außen — er begnügt sich mit Entspannung, mit Betäubung der täglichen Sorgen, — dem andern ist sie innerstes Bedürfnis, Aussprache mit sich selbst, heilige Reinigung. Nur die wenigen, die danach streben, werden Erlösung finden. Nur das Ringen um Erlösung wird belohnt — wer von der Umwelt, wer von außen etwas erhofft, täuscht sich selbst, betrügt seine eigene Seele. Erlösung, die von innen kommt, ist teures Gut, das positivste, was es gibt; Erlösung von außen bleibt ewig negativ, ein Nichts, eine Unwahrhaftigkeit. Aber der Durchschnitt der Menscher: blickt nur nach außen. Die Augen der meisten sind im Dunste des Alltags trübe geworden, ein Leben voll Nahrungssorgen und Gewinngier, voll taufeub kleinen und großen Lügen, voll Unrecht und Gewaltsamkeit betäubt das klare Erkennen und den Drang nach innerer Reinheit. Der Kaufmann, der schachert und feilsch!, der Arzt, der Hilst, um zu verdic::en, der Rechtsanwalt, der Recht zum Unrecht macht, sucht Absolution von seinen Sünden, die er am Hellen Tage begeht. Er findet sie nicht nnd flieht vor seinem Gewissen anstatt mit seinem Gewissen zu Rate zu gehen und so Erlösung zu suchen. Er flieht in die sogenannte Gesellschaft. Die Gesellschaft aber ist eine hölzerne Form aus faulem Holze. Ihr Inhalt ist Klatsch, Verleumdung und Eitelkeit, aufgeputzt mit Zylinder, Frack oder seidenem Kleide. Ihre Formen sind verlogen und verwerflich, denn sie kommen von außen, sind rein äußerlicher Entwicklung unterworfensind Sünde. Zur Sünde flüchten die Sünder. Steht'S so auch mit der Jugend? Viele von UNS sind nicht besser. Sie suchen ihr Heil im Vergnügen, achten nicht der Nöte und Kämpfe ihrer eigenen Entwicklung, ziehen mit weißem Schlips und dito Handschuhen auf den Tanzboden und schaffen sich so für den Affenkasten von Gesellschaft die nötige Vorbildung. Ja, sie. steuen sich dieser „Reife", die doch nur beweist, daß sie ihre Entwicklung allzu <?«