Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 5 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitshandlung selbst wird Gegenstand „wissenschaftlicher" Untersuchung. Sic wird in ihre Elemente zerlegt, in einzelne Handgriffe gegliedert. Für jeden Griff wird nun die einzig mögliche Art seiner besten Aus» führung ermittelt. Der Mensch möge sich doch endlich an der Maschine ein Beispiel nehmen! Macht etwa die Maschine eine Umdrehung oder Stampfbewegung das eine Mal so und nächstens anders? Nein, sie arbeitet „maschinenmäßig"! Wie gescheit ist doch solch eine Maschine! Der Mensch aber glaubt, sich eine gewisse Willkür in seinen Lebens betätiguugen erlauben zu können und seien diese auch so bescheiden wie die täglichen Verrichtungen eines Maurers. Da aber tritt der Menschenfreund Taylor, ein zweiter Pestalozzi, jedoch für Erwachsene, an ihn heran und weist ihm nach, daß er sich durch so unnötige Abwechslung, selbst wenn sie ihm etwa Spaß machen sollte, nur „übermüde." Und Herr Frank B. Gilbreth, ein Schüler Taylors, hat auch schon genau, mathematisch, die „optimale" Fußstellnng des Maurers sowie den günstigsten Abstand von Mann, Mörtelschass, Ziegeln und Mauer berechnet. In den Rahmen dieser geometrischen Konstruktion wird stugs die Menschenseele eingespannt — adieu, Seele, Staub I hinaus in den Weltenraum, zerstreue dich, zerstiebe! Der entseelte Mann sitzt tut Rahmen und arbeitet endlich, endlich maschinenmäßig. Taylor geht weiter. Für jede Bewegung wird dem Manne eine bestimmte Zeitdauer, berechnet und vorgeschrieben. Ein eigenes technisches Bureau arbeitet „Unterweisungskarten" ans., hierdurch wird auch der Vorteil erzielt, daß öcitt Arbeiter jede Disposition, der letzte Rest geistigen Anteils an der Arbeit genommen wird. Ein großes System neuartiger Organisation, von Taylor bis ins Detail ausgearbeitet, sorgt für genaue Einhaltung der von oben einlangenden Anordmm» gen. Schärfste Kontrolle durch den Geschwindigkeitsmeister, den Speed boss („hetznogt" betiteln ihn schon die Arbeiter in deutschen „taylorisierten" Betrieben), wirkt mit. Die Unterweisnngskarte ist sehr eingehend ausgearbeitet. Selbst die Zeit, die zum Durchlesen der Ar» beitsanweisung verwendet werden darf, findet sich darauf verzeichnet. Das ist kein Spaß! Eine solche „Unterweisungskarte" ist dem Essay' beigedruckt und beginnt mit folgenden Posten: I. Einrichten der Dreh» bank. Wechseln der Ünterweisungskarte 2 XFümiten. 2. Durchlesen der Karte q. Minuten. 3. Andrehen der Einspannbacken \§5 Minuten. Einbringen und Einrichten des Materials l,5 Minuten. 5. <£in* stellen der Geschwindigkeit und des Vorschubs 0,2 Minuten. U2 .