Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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den Widerstand spürt und jeder Muskel ist angespannt: Drinnen im Walde spürten wir unsere heißen Backen. Wir Führer gingen vor-, -aus und ließen die andern, schwitzend trotz der Aalte, hinter uns her keuchen. Die Landstraße wand sich in Serpentinen wie eine weiße Schlange im dunklen Walde höher, während wir gerade durch die Tannen gingen. Jedesmal, wenn wir sie kreuzten, war die Burg noch eben so hoch und der Morgen gewachsen. Der Himmel wurde blau, die Berge rot und dazwischen lagen alle Farben. Das Tal erwachte: viele, viele Dörfer zerfielen in glänzende weiße Häuschen — unter uns am Waldrand lag einsam ein Airchlein und seine durch -die klare Winterlust herüberklingenden Glockentöne kündeten den Morgen -an. Und wir kamen immer höher, und wieder ergriff uns der Sturmwind und wir fühlten uns als kämpfende Wanderer. Wir dachten «in wenig an das Geschlecht, das Hier oben gesessen und wie stolz es gewesen war. Dann mallen wir uns aus, wie damals das Leben rtnd Treiben in Arieg und in Frieden hier oben gewesen sein mußte. Endlich liefen wir neben der hohen Steinmauer her und pochten schließlich an das reich verzierte Holztor. Als uns aufgetan war, erwarteten wir einen Schloßhof. Aber es ging immer weiter in Serpentinen aufwärts. Wieder «ine Fallbrücke, wieder ein Graben, Meder ein Durchgang durch eine breite Mauer — und dabei stiegen Mr andauernd. Als wir nun wirklich oben waren, traten wir ohne ju sprechen in den Schloßhof mit nägelklingenden Schritten, von drei Seiten umschloß ihn die Burg. Zinnen und Türme, hohe Gotenfenster und kleine Gucklöcher, Airche und Vcdenssaal. Und alles war umrankt mit altem, dichtem Efeu, durch den der Wind wild strich. —- Die Sonne schoß blitzende Strahlen aus den Fenstern der Burg, als Mr nach einer Stunde unten im Dorfe auf einer Wiese spielten und manchmal bewundernd emporsahen. Noch ein gut Stück Weges Hatten wir diesen herrlichen, stets wechselnden Anblick, bis wir in ein anderes Tal hinabwänderten. Dort kochten wir am reißenden Wildbach ab, bis uns strömender Regen zu schnellem Aufbruch trieb. Ganz durchnäßt erreichten wir hechingen. Das war also die erste größere Fahrt der Stuttgarter. Wir find sehr stolz darauf, daß selbst die kleinsten ganz duvchgehalten haben. Tübingen Hans Oppenheim 4Ü