Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Maße am Feuer, auf Nachtfahrten, Leim Gesänge von Lrutzliedern nichk fetten aN allgemeine Feststimmung zum Ausdruck kommt?! * Warst Du in Lockwitz? Nein! Nun, laß Dir sagen, Lockwitz mit feiner Begeisterung, seinem Frohsinn, seinen Liedern und Spielen, seinen Nachtfahrten uni» seinem Feuer war echt. Später sprach man heimlich von Mache. Für uns War es Wahrheit, war es wirklich der Ausdruck echten Empfindens. Echt war das Lied von den Rosen im Tal, ebenso wie Nothmanns „Jeruscholajim", echt die Freude an dem Ausbau unseres kleinen Staatswesens, ebenso wie der Schmerz der Trennung. Lies aufmerksam die Berichte über Lockwitz und die von LohS; und wenn Du an meine Worte über Müssen und -Zweckstrebigkeit denkst, so wirft Du begreifen. Nicht darauf kommt es an, ob Zuchtlosigkeit herrscht oder ob alles *fo gut klappt"; in Lohs war alles fein ordentlich organisiert. Nicht Disziplinlosigkeit war vorhanden, sondern Empfindungslosigkeit. Mangel an Erleben machte Lohs alltäglich, wenn auch gut „ordentlich und zweckmäßig". Nirr schön darf man «es nicht nennen (schön war nur Einzelnes, der Gang zur Wiese, den Ilse Kurz im vorigen Heft so fein geschildert hat, und dann natürlich wieder der Kreis, der große buntfarbige prächtige Kreis inmitten der Hügel und das Wettstngen). Meinem Bericht über Strümpfelbrunn im letzten Heft der Zeitung brauche ich nichts hinzufügen. Vielleicht beschreibt einer mal besser die große Schönheit von Strümpfelbrunn, die Schönheit seiner Ziele, der Lieder und der herrlichen Feuernacht. Zum Schluß will ich noch etwas darüber sagen, daß ich es besonders fchön am Feuer fand, weil wir wenige waren. Daß wir wenige waren, war die Schuld der Vielen, die fortgingen, um schlafen zu gehen. Besser und zweckmäßig wäre es gewesen, wenn sie geblieben wären. Aber gerade das Bleiben der wenigen Getreuen aus der großen Schar der Vielen machte unser Zusammensein so — schön. Mehr habe ich nicht zu sagen. Verzeih mir die Härten; ich hielt sie fiir nötig, um Klarheit zu schaffen. Auf Deine Antwort freue ich mich. Schalom! geschrieben im Massenquartier. SidneyHaskel ^plaubcvci Gerade zu einer heftigen Debatte kam ich dazu, als ich yeulich aufs Heim .kam. Ein wirres Durcheinander herrschte um einen Wanderer. Ich gesellte mich zur Schar der Blau-Weißen und erkundigte mich, was eigentlich der Grund zu dieser Aufregung ist. Kurz berichtete mir mein Gefährte, daß da ein neuer Wanderer fei, der behaupte, daß er nur wegen der Freunde und des Frohsinns in den Blau-Weiß gekommen sei. Ich muckste mich nicht, denn ich wollte nicht auch in Acht und Bann getan werden und Entrnstungsszenen Hervorrufen, denn (ich sage es Euch jetzt) ich gab ihm recht. So offen durfte ich das nicht sagen, denn ich bin noch jung und werde ganz einfach noch nicht als vollwertig angesehen. So verhielt ich mich still und hörte nur zu. Und was ich da hörte: ganze Vorträge. Da wurden die Fragen aufgeworfen: Was ist uns der Blau-Weiß? Was soll er uns sein? <Heute glaube ich, daß sich viel Redner selbst nicht verstanden haben.) Nachdem es aber nicht anging, daß alle durcheinander schrien, lösten sich einzelne Blan-Weiße von der schreienden und debattierenden Gruppe ab und zogen sich in ein anderes Zirymer an unsere Arbeitstische zurück. Wir hätten beinahe vergessen, daß wir Arbeitstag hatten. Wir sind nämlich in verschiedene Gruppen geteilt; man kann