Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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geht doch nicht daraus hervor. Diese Wertung ist, glaube ich, von purer Zwecksttebigkeit, wenn auch von einer ideal - gerichteten Zweckstrebigkeit diktiert. Zweckstrebigkeit aber ertötet jedes wahre Schönheitsempstnden. Da Lohs eine Stärkung der hebräischen Tendenz des Blau-Weiß bedeutete, so war es nicht genug, daß es als zweckmäßiger und besser als Lockwitz hingestellt wurde, nein, es mußte auch gleich schöner sein, als dieses. So lange Ihr aber diesen Unterschied, den Unterschied zwischen zweckmäßig-gut (mag auch der Zweck noch so ideal sein) und schön nicht anerkannt HM, oder besser, solange Ihr ihn verkennt, solange werdet Ihr auch nicht Bundestage, Wanderungen, Feste, Nachtfahrten, Heimabende, Feuer, Tänze, Lieder wirklich zu wecken wissen. Oder empfindet Ihr überhaupt nicht, was schön an einer Fahrt ist, was eine Nacht an einem Feuer oder ein Lied über die Prosa des Alltags erhebt? Seht Ihr etwa immer nur den Nutzen, den Zweck? Ist Euch die Wanderung nur ein Mittel zum natürlich werden, zum Muskeln bekommen, um Euch für Palästina vorzubereiten, oder wandert Ihr um des Wanderns willen? — Ich lernte beide Arten von Blau - Weißen. Die Letztere ist besonders unter den Netteren verhältnismäßig selten; das erkennt man schon aus der Fragestellung: warum wanderst Du? Die Antwort bringt meist allerlei Aufgeschnapptes über Zionismus, Palästina und „Muskeln kriegen". Jedenfalls werden sich die meisten „verpflichtet fühlen," eine Zweckmäßigkeitsantwock zu geben. O, dieses verpflichtet fein! Es stellt fich gerade bei den an Jahren aber nicht an Fahrten älteren Wanderern so oft ein, wenn sie nicht die Kraft oder nicht den Mut haben,, sich Rechenschaft über ihr Fühlen, Denken oder Handeln zu geben. Dieses verzweifelte „Müssen" höcke ich schon auf der Lohser Ftthrersitzung von einem Breslauer Führer im engen Zusammenhänge mit dem Worte Disziplin. Falsch verstandene „Disziplin" ist aber oft nichts als ein Deckmantel für geistige und seelische Armut. — Besser deutsche Lieder Mt Begeisterung als hebräische ohne wahres Verstehen — und Mit- Mlen. Ich sehe Euch schon alle ob einer solchen Ketzerei die Köpfe schütteln und höre Euch sagen: „Das ist aber ein bedauerlicher Rückschritt!" Seid offen! Seid ganz das, was Ihr Euch nennt! Wanderer, denkt. daß wir ein Wanderbund sind! Eine Wanderbewegung, in der die Bewegung durch das Wandern kam, nicht das Wandern durch die Bewegung! Wenn Ihr wandert, so wandeck wirklich in der Natur und nicht von Darwin zu Schopenhauer, wie ich es einmal trefferrd — ironisch in einem Fahrtberichte las; wandert ruhig unter btn deutschen Eichen der Wirklichkeit; das wird Euch weniger schaden, als das Spazierengehen nnter eingebildeten Zedern des Libanon: und wenn Ihr einst im Jordan schwimmen wollt, könnt Ihr es ruhig im Waunsee lernen. — Und nun zurück zu Deinem Aufsatz, Lisbeth Mannaberg. Siehst Du, ich kann wirklich nicht an die Gefühle und Stimmungen in Lohs glauben; sie waren erMnstelt, unwahr, wenn auch die Unwahrheit Euch nicht zum Bewußtsein kam. Es ist kein Argument, das diese Behauptung entkräften kann, wenn Du ausrnfst: „das ist ja Mangel an Vertrauen". Ja, leider muß mir das Vertrauen mangeln, wenn es so war, wie Du es darstellst. Auch Du, gerade Du wurdest Dir der Zwangsvorstellung nicht bewußt, die, als edelmotivierte, als schädliche Zweckstrebigleit Deine Seele belastet. Du fühltest in Lohs Deine „Tatkraft", weil Du sie fühlen wolltest, weil Du die Verpflichtung fiihltest, sie fühlen zu müssen. Aber sei ehrlich; was war wahr daran? War sie wirklich mehr, als jener billige Masseur' rausch, dem ähnlich, der bei Kriegsbeginn die Völker hinriß, der in kleinerem