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Blau-Weiss-Blätter · 1917-12-01 · 4 (12.1917) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
4 (12.1917)
Date
1917-12-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Da nun diesem Fürchterlichen gegenüber niemand Rat und hülfe wußte, fetzte man alle Hoffnung auf den Herrn, schrieb ein Fasten aus und tat Buße in Sack und Asche. Aber das Unglück nahm feinen Lauf, bald waren die schwachen jüdischen Posten von den höhen verjagt und alle Täler ringsum erfüllt von den Zelten der Feinde; auf allen Straßen ratterten ihre Wagen, auf denen das Gerät des Krieges klirrte, zehntausend Reiter schweiften in der Runde und schnitten den Belagerten die Zufuhr ab, und das Gebrüll der hundert Kampfelefanlen mischte sich den höhnischen Rufen der hopliten, die Mauerbrecher und Leitern zum Sturme rüsteten. Da glaubte man in Jerusalem nichts mehr hoffen zu dürfen und überließ sich dumpfer Verzweiflung. Man dachte nicht einmal daran, die Gnade des Königs anzurufen; wußte man doch, daß Seleukos keine Gnade gewähren würde. Es war aber zu dieser Zeit in der Stadt eine Jungfrau namens Judith, die war überaus fromm und schön. Die rief der Herr zur Nacht und gab ihr Mut und einen kühnen Geist ihr Volk zu retten. Da kleidete fie sich in ihre schönsten Gewänder, in Byffus und blauen Purpur, behängte ihre Stirn mit Perlenketten und schmückte ihre schmalen, weißen Hände mit kostbaren Ringen. Dann warf fie einen dunklen Mantel um und schritt am Abend durch das Tor. Die Wache rief fie an: „Wo gehst Du hin?" Sie aber antwortete nicht, sondern wanderte weiter, und der Krieger staunte ihr nach wie einer Erscheinung. Um Mitternacht kam fie ins Griechenlager. Dort brannten große Feuer, und im Scheine der Flammen rüsteten sich Gepanzerte MN entscheidenden Kampf. Doch Judith fürchtete sich nicht sondern ging geradeswegs auf das königliche Zelt zu, das im Lichte vieler Fackeln strahlte; denn die Feldherrn der Griechen feierten im voraus einen Sieg, den fie ficher zu haben wähnten. Judith warf den Mantel von fich und näherte fich in dem Schmucke ihrer Gewänder und dem größeren ihrer Schönheit dem König Seleukos, der vor Staunen vom Lager aufsprang; den» nie meinte er solch herrliche Jungfrau gesehen zu Haben. „Wer bist Du?" fragte er. Und Judith antwortete: „Ich bin ein Mädchen aus Jerusalem und weiß, daß Du die Stadt bezwingen wirst. So komme ich zu Dir und bitte Dich, mein Leben zu verschonen und meinen Eltern Gnade zu erweise»-." Sie war vor ihm niedergesunken und hob ihre Hände flehend zu ihm empor. Er aber hob fie vom Boden auf und sprach: „ Was Du auch bittest, fei gewährt." Dann wandte er fich an die anderen Griechen: „Ihr Herren schauet Herl

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