Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Da sprang das Mädchen auf und stand vor allem Volk. Nit beiden Händen griff sie ihr Gewand. Auf einmal schwieg der (arm -er Hörner und der Harfen, und man hörte nur das Geräusch zerreißender Leide wie einen langen Schrei. Dann war es totenstill; naK stand das Mädchen allen sichtbar. plötzlich brach der Sturm los. Ihre Brüder drangen aüf fie ein: „Schamlose," riefen fie, „Du mußt sterben; denn Du hast unser Haus vor Israel in Schmach gebracht!« Da sprach die Jungfrau mit leiser Stimme und stand ohne zu zittern vor den bloßen Schwertern: »haltet ein und hört mich an!« Und als die Schmäher verstummten, fuhr fie fort: „Ihr wütet, weil ich mich vor euch entblößte. Das aber duldet ihr, daß fremde Söldner den Nädchen Judas das Hochzeitskleid vom Leibe reißen, das laßt ihr zu, daß man mich morgen in die Gemächer des Tyrannen schleppen wird! Wenn ich vor ihm Hüpfen muß, wie die syrischen Tänzerinnen — ihr werdet es nicht wehren! Wenn euer Zorn, der mich bedroht, die Griechen treffen würde — wir Frauen Judas wären aller Schande ledig!" Da brauste donnernder Ruf durch den Saal, daß die Blumengewinde erzitterten und in jeder Faust blitzte die Wehr. Die Iungfrau stand^ mitten unter dem Volk, ihr Antlitz glänzte in prophetischer Begeisterung; ihr langes haar hatte sich gelöst und verhüllte fie wie ein kostbarer Mantel von Aopf zu Füßen. Und jeder, der es sah, verwunderte sich und sprach: „Gin Wunder! Der Herr hat sie gesegnet!« Nun war kein halten mehr. <Ls stürmte die Menge, dis hasmonäer voran, in die Stadt hinaus und durchtobte Straßen und Gaffen. Am Abend lagen erschlagene Griechen in zerstörten Tempeln. Als der griechische König Seleukos sah, daß seine Feldherrn nicht imstande waren die Juden zu besiegen, sammelte er ein ungeheures Heer aus allen Provinzen feines großen Reiches und zog gegenIerusalem. Wohin er kam, brachte er Tod und Verwüstung; er zerstörte Dörfer und Städte und verschonte nicht den Säugling an der Mutter Brust. Man erzählte sich, daß der König geschworen hätte, das Land um und um zu stürzen und keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Auf dem Zion aber «wollte er ein Heiligtum des Zeus errichten, um die Stätte des Tempels zu verunreinigen und den Gott Israels zu verhöhnen. »so