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Blau-Weiss-Blätter · 1917-12-01 · 4 (12.1917) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
4 (12.1917)
Date
1917-12-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Ist eine Schönere in des Königs Gemächern?" Und zu Judith sagte er: „Dü hast in meinen Augen Gnade gefunden. Aus Deiner Niedrigkeit erhebe ich Dich zu meinem Weibel Nicht die Geringste meinem Frauen sollst Du sein." Judith verneigte sich und sprach: „Mein %nr und König tue mir, wie ihm gefällt:" Da umschlang fie -er Herrscher und zog sie neben sich auf seine- Lagerstätte, und die Trompeten bliesen Tusch, die Krieger jubelten, unalle priesen die Wahl des Königs, Seleükos aber aß und trank und war guter Dinge. Aber der Wein berauschte ihn und er ward müde;, so bettete er sein Haupt in Judiths Schoß und schlief ein. Als das die Griechen sahen, löschten fie die Lichter und verließen das Zelt; denn fie wollten ihren Herrscher nicht stören. Lange saß das Mädchen, ohne fich zu rühren und lauschte den ruhigen Atemzügen des Mannes. Ihr Herz krampfte fich zusammen, wenn fie daran dachte, was fie tun wollte; Schweiß stand auf ihrer Stirn und ihre Hände zitterten. Auf einmal sprach Seleükos aus dem Schlafe: „Vernichten will ich Zion, daß keiner mehr die Stelle' finden soll, wo es. gestanden hat". Da ward Judith ruhig und fest; fie fühlte, daß fie es tun mußte. Und fie erhob fich und ergriff das Schwert, das zu Haupte» des Königs hing und schwang es mit ihr ungewohnter Kraft. Mit einem Streich hieb fie den Kopf vom Rumpfes Noch einmal befiel fie die Schwäche, als fie vor ihrem Werke stand und sah, was fie getan hatte. Aber fie raffte fich zusammen, ergriff das tote Haupt und wickelte es in ihren Mäntel. Dann flohst« in die Nacht. "• Als fie die kühle Lust da draußen spürte, wich alle Befangenheit von ihr. Langsam durchschritt fie das Griechenlager, und niemand hielt fie auf. Die Gunst des Königs gab ihr einen Freipaß. So kam fie vor das Tor der Stadt. Sie hob den erzenen Klopfer; schauerlich hallte der Ton durch die niederen Gewölbe. Schritte näherten fich, ein Krieger öffnete, erkannte fie und herrschtefie an: „Wo kommst Du her? Du liebst wohl einen Griechenkrieger und gingst die Stadt ihm zu verraten?" Statt jeder Verteidigung lüftete Judith den Mantel. Der Krieger hob die Fackel; in dem blutroten Licht erschienen die erstarrten Züge noch grauser als zuvor». „Wer . . . Was hast Du getan?" rief er, „das . . . das ist der König!" Sein Ruf weckte die Wache. Von den Zinnen der Mauern und Türme eilten die Männer herbei. Judith hob an den haaren das Haupt. „Der König! Seleükos starb 1 Der Herr hat ihn ge»

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