Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 4 (12.1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzigen." Da umarmte Mirjam ihr Kind in einem langen Kusse. Dann richtete sie sich auf: „Lei Deiner Brüder würdig!" „Lebe wohl, Mutter", flüsterte der Knabe. Und dann plötzlich männlich und mit fester Stimme: „Tut mit mir, was Ihr wollt. Der Gott Israels ist einzig!" Der Statthalter wandte fich ab: „So muß er sterben!" Dann aber wies er voller Zorn auf Mirjam, die in ihren weißen Gewändern unbeweglich stand, wo fie ihren Lohn verlassen hatte. „Erschlagt die Kindesmörderin!" Zwei riesige Neger sprangen vor und krallten ihre plumpen, schwarzen Lauste um ihren zarten Arm. „Es ist nicht nötig", sagte sie sanft. Und dann schrie sie auf: „Ich komme, Kinder!" Sie sank zu Boden, streckte sich und starb. Der Ltatthalter biß fich auf die Lippen. Er war bleich. Dann stieg er zu Pferde. „Meine Leibwache!" rief er. Und umdrängt von reipgen Reitern sprengte er durch die murrende Menge. Dir Braut des Hasmonäers Als die Griechen sahen, daß fie es nun und nimmer fertig bringen würden, die Juden abtrünnig zu machen, taten fie alles um das Volk zu erniedrigen. Darum erließen fie ein Gesetz, daß jede Jungfrau, die einem Manne sich verlobte, dem Statthalter des Landes einen Monat lang zu eigen fein und ihm als Lklavin dienen sollte. Da war überall Weinen und Wehklagen im Lande, denn das Volk fühlte fich in feinen Töchtern entehrt. Ja, es war so, daß niemand mehr die Augen zu einem Mädchen zu erheben wagte, um fie nicht durch feine Liebe in Knechtschaft und Lchmach zu bringen. Dennoch geschah es, daß der Hasmonäer Eleafar die Tochter des Hohenpriesters Mattatia zum Weibe begehrte. Als nun der Hochzeitstag gekommen war, versammelten fich die vornehmsten der Stadt in einer gewaltigen Halle zum festlichen Mahl. Da prangten auf blumengeschmückten Tischen goldene Schüsseln, aus blinkenden Pokalen stieg der Dust edlen Weines und der Scherzworte und fröhlicher Rede war kein Ende. Nur die. Braut saß still inmitten der Lärmenden, ihre Augen waren zu Boden gesenkt; unberührt blieben die Speisen, die man verschwenderisch vor ihr austürmte. „Sie ist wohl krank", raunte man sich zu, „wie wäre sie sonst so bleich unter der Krone ihres schwarzen Haares? Gleicht fie nicht einer Toten?" And der besorgte Gemahl umfaßte fie, um fie hinaus zu führen: „Es ist zu heiß im Saale", sagte er, „ein wenig stische Luft wird Dich erquicken."