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Blau-Weiss-Blätter · 1917-12-01 · 4 (12.1917) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
4 (12.1917)
Date
1917-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Menschentums: Das ist jüdisches Heldentum. In dem Latze: „und er ließ seinem Zorn freien Lauf wie es sich gebührte, lief hin und lötete ihn am Altar" liegt soviel Erkenntnis und Ausdruck jüdischen Wesens wie ein Latz von der jüdischen Leele überhaupt zu faßen vermag. Das, was hier von Mattathias erzählt wird, ist es, was ihn über den Abgrund von Jahrtausenden hinweg zum Bruder des Abraham, des Mose, des Elia macht. Bei aller sonstigen Verschiedenheit wird hier der eine Grundton ihres Wesens angeschlagen. Hier ist das geheimnisvolle Band, das ihrer aller Leben zu einer Einheit verbindet, das Band, dessen Anfang sich in der Morgendämmerung der Schöpfung verliert und dessen Ende in unsere Hände gelegt ist. Und wenn wir versuchen, dies Eine, dies Biblische, in Worte zu kleiden, so möchten wir es die Leidenschaft der bedingungslosen Tat nennen, die da geschieht, wo es sich um Heiligung des göttlichen Namens handelt. In diese Heiligung ist aber alles «ingeschloffen, was den Bund Gottes mit seinem Volke umfaßt. Nicht das scheint mir das Biblische an Mattathias zu fein, das „was fich gebührt", daß er keine Furcht für sein Leben und das seiner Volksgenossen kennt — das finden wir auch sonst —, aber daß es fich sogar gebühren soll, Menschen zu töten, das göttliche Gesetz selbst zu übertreten, wenn es die Heiligung des göttlichen Namens gilt, darin liegt eine Bedingungslosigkeit der Tat wie wir sie als charakteristisch biblisch, als jüdisches Heldentum ansprechen können. Zwar wissen wir gleichzeitig, daß dem Elia, nachdem er am Karmel das furchtbare Blutbad angerichtet hatte, am Horeb eine göttliche Erscheinung zuteil wurde und die Herrlichkeit Gottes fich hier nicht im Sturmwind und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer offenbarte, sondern in einem sanften Säuseln — wir wissen wohl um diesen tiefen Konflikt —, aber wir sehen doch, daß die Königslinie der jüdischen Entwicklung immer von Menschen zu Menschen führt, die, vor die Entscheidung gestellt, den Konflikt im Sinne des Elia-des Mattathias, lösen. Sie nehmen die Schuld auf fich, um Gottes willen, nicht etwa aus kühlem Abwägen, nach tiefgründigem Grübeln, sondern aus innerer Notwendigkeit heraus, aus einem Einsgewordensein der Persönlichkeit, bei dem es keine Wahl mehr gibt, sondern wobei Erlebnis und Tat dem, der seines Gottes voll ist, in «ins zusammenfließen.— Was ihn, den Spätgeborenen, uns in diesem Sinne so biblisch macht, können wir aber auch noch negativ erkennen, wenn wir in den Makkabäerbüchern weiterlesen. Denn da ist weiter die Rede von *25

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