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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Von ttttfcr«* tfafftt. Von -<n Irrdenfiedlrrnger» in -er fränk. Schweiz. Die ältesten JuLensiedlungen in der fränkischen Schweiz wurden gegen Ende de- 16. Jahrhunderts gegründet; ihre alte MuLtergemenche ist Baiersdorf in der Nähe von Erlangen. Als Wahrzeichen feiner einstigen Bedeutung besitzt dieser Ort noch heute eine sehr schöne Synagoge und einen alten Friedhof, der auch den Forchheimer Inden als Begräbnisstätte dient. Die Blütezeit der fränkischen Judendörfer erstreckt sich vom Anfang bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann setzte hier wie überall eine starke EmigrationSbewegnng ein, deren traurigen Folgen sich erst jetzt wirklich zu zeigen beginnen. Die Jugend wandcrte entweder in die größeren Städte, oder nach Amerika ab, und zogen häufig ihre Familie, sogar die alte Generation, nach. In Forchheim sah ich eine Tcfillah, deren Einbanddeckel die Familienchronik des Eigentümers trug: Zwei Brüder und eine Schwester waren kurz nacheinander audgewandert. Wie hier ist es überall. Daher ist eS nicht zu verwunden,, wenn viele Gemeinden nur noch aus einer oder zwei Familien bestehen. Die bedeutendste Siedlung zu BaierSdorfer Gemeinde hat in diesem Jahre zu Tischo Leow keinen Gottesdienst abhalten können. Trotz derart traurigen Verhältnissen streuten wir nnS natürlich immer wieder, wenn wir irgendwo jüdische Gemeinden antrafen. Es spielte auch hier der Zufall eine große Nolle. Wir hatten uns in Wannbach gerade am Dorfbrnnnen gewaschen, als ein Soldat mit Rucksack die Straße entlang kam, wir beäugten ihn und erkannten zu unserer Freude unseren Theo Harburgcr. Er hatte Urlaub vom Lazarett und da er von seinem Vater die ganze Geschichte der jüdischen Gemeinden kannte, so führte er uns als rechter Neiscmarschall von Ort zu Ort. Leider bcgaun's mit einer Enttäuschung In Manubach, wo nur noch eine jüdische Familie lebt, gelang es un» nicht, den Schlüssel zur Synagoge zn erhalten. Nagenbach, eine halbe Stunde weiter, entschädigte uns dafür umso mehr. Erstens spendete uns der Bürgermeister, dem wir ein paar Lieder vorsangen, dafür die schönsten Bohnen aus seinem Garten und dann fanden wir bei den dortigen Juden eine so herzliche Ausnahme, daß alle unsere Erwartungen übertroffeu wurden. ES gab auch mancherlei zu sehen Die schöne kleine Synagoge steht mitten im Dörfchen, der neue Friedhof befindet sich vor dem Orte, der alte aber liegt herrlich droben auf dem Judenberg über dem sonnigen Land. Er wird heute nicht mehr benutzt und bietet ein Bild des Friedens mit seinen verwitterten Grabsteinendarauf hebräische Inschriften fast nnle'sbar aus eiuerWildniS von leuchtendem Grün hervorlugen. Ehe wir den freundliche,i Ort verlassen, will ich von einem hübschen Brauch «zählen, der bei den Juden dort, im Schwange ist. Wenn die Hausfrau einen Laib Brot aus ihren vier Wänden gibt, so schneidet sie den einen Kanten ab, und behält ihn zurück, damit mit dem Brote das Glück nicht aus dem Hause getragen werde. — Zum Schluß sei noch erwähnt, daß ich nirgends über das Berüältnis zwischen Juden und Christen habe klagen hören. Die einen sind auf die andern angewiesen. Die Juden sind meistens Viehhändler; oft betreiben sie daneben eine kleine LandwiMchast. Wirkliche Bauern habe. ich feiten gefunden, schon deshalb nicht, weil öS ein Derwachsensein mit der Scholle /bei ihnen kaum gibt. Sie würden ihre Kinder sonst nicht auf städtische Schulet, senden, wo ihnen eine Erziehung zu teil wird, die eine Rückkehr in die alten Berhältnisie kaum gestattet. — Mit dem Verschwinden der kleinen Gemeinden, wird die deuischjüdische Or-

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