Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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sich ihnen allen verbunden und fühlte und sah, daß das allein das Große ist, was uns den Mut geben muß und die Freudigkeit. Man hatte sie oft schon zusammen gesehen — bei Feiern; aber immer nur, wenn sie standen oder saßen — nnd nun gingen sie, sie schritten vorwärts, sie bewegten sich. DaS war das Herrliche! Auch in Strnmpfelbrnnn brachten das Allerschänste einzelne Augenblicke. Ich will sie nicht ausführlich schildern; wer sie erlebt hat, wird sich ihrer auch so erinnern. — Da war die offizielle Feier am Sountagnachmittag auf dem Katzenbuckel, eine richtige Feier, wie sie bei uns immer ist. ES wurde eine Rede gehalten und dann haben die einzelnen Bünde Lieder vorgesnngen. Schön war die Festftimmung bei dem Einzelnen, die Stimmung die über den» Ganzen lag — und einfach wieder das Zusammensein der vielen Blau-Weißen und dre Freude darüber. Am nächsten Tage war vormittags die Sitzung, nachmittags Wettspielen der Jungen. Das fand ich diesmal ganz besonders schön, weil e8 gut vorbereitet war und Ordnung hatte. ES wurde wirklich mit großem Eifer und Ernst gespielt. ES war da eine weite Wiese, daneben eine Chaussee, wie geschaffen zum Spielen. Ich finde dieses Spielen und Kämpfen der Jungen immer ganz herrlich, weil es schön aussieht, und dann macht es wirklich froh und beinahe zuversichtlich, zu fetycii wie fie sich da austollen und laufen und singen und Steine werfen und an allem ihre Kraft zeigen. Ich könnte das immer ganz lange sehen und mich darüber freuerr. Abends zum Abschied waren wir dann noch einmal zusammen am Feuer mitten, in einem Steinbruch. Solche Abende am Feuer haben wir schon öfter gehabt, vielleicht war es diesmal am schönsten. Aber nein, das Werten soll ich ja lassen, also ich will einfach erzählen. Mächtig hohe steilabfallende Wände — oben Wald und ganz tief unten brannte das Feuer, rieseuhoch und hell, da herum standen wir. Wir »rnrcu nicht viele. DaS war wohl schade, aber irgendwie war gerade das besonders schön. Wir kamen unS vor wie ein Häuflein Getreuer. — Es war dann gar nichts weiter, es wurde gesungen — hebräische und deutsche Volkslieder, immer wieder andere. Und damit wurde es immer später, aber man war ganz wach, man wurde garnicht wie sonst besiegt von der Nacht. Weil sie auch so ruhig war und uns so half, daS ganze schön zu machen. Daun sprach jemand — so schön und groß, wie man nur in der Stunde hat sprechen können, so das Tiefste berührend und menschlichem Erleben, das die Nacht hervorrief, Ansdruck gebend. Gegen l Uhr sqllte alles zu Ende fein, da gingen denn die meisten fort. Aber das Feuer wurde noch weiter gehalten. ES wurde ganz still. — ES ist doch zu viel, eine solche Fülle von Großem, waS noch dazu schwer ist — man kann fich nicht wehren dagegen — irgendwie wird man besiegt davon. Und dann sehnt mau sich nach der Ruhe und Einfachheit, ohne denken und alles. — Ein paar von uns schliefen eil», andere bliebe»» wach und konnten es sich vielleicht bewußt machen und wen»» sie noch die Kraft hatten, dann rafften sie sich vielleicht auf, und gelobten sich etwas und forderte»» vo»l sich den Mut und das Strebeü, dem Großen und Ewigen näher zu komme»». Es wird ja wohl bald wieder ein Bundestag sein, mau kann es doch nicht anshalten — luait hat das Bedürfnis sich wiederzusehen. Aber wollen wir nicht doch lieber warten bis zum Friede» und dann den großen Bundestag machen, zu den» alle kommen, und wo wir daurr vielleicht eher Grund und Recht haben, uns unserer zu steuen und stolz auf uns zu sein? Berlin Ilse Kurz