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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · page 8

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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von Menschen, denen die Arbeit zweite Natur ist. Nicht so ist eS bei mt$. Wie verschmähen alle die Arbeit, und auch die Arbeitenden arbeiten nur aus Zwang und in der steten Hoffnung, sich ihr mit der Zeit zn entziehen, um ein «gutes Lebenzu führen. Wir dürfen uns nicht selbst täuschen, wir müssen mit offenen Augen sehen, wie schlecht es mit unS in dieser Hinsicht bestellt ist, wie sehr die Arbeit unserem Geiste in iubtoUmettcr und nationaler Beziehung fremd geworden ist. Charakteristisch genug ist der Satz: «Solange Israel den Willen Gottes tut, arbeiten andere für <S." Das ist nicht bloß ein Wort. Dieser Gedanke ist — bewußt oder unbewußt — in unS zu einem instinktiven Gefühl, einer zweiten Natur geworden. Gesetzt, wir hätten schon irgendwo eine jüdische Volksmasse, wird sich die» dann von selbst ändernd Wird auch ohne radikale Heilung eine Aenderung in der Natur unserer Seele eintretend Werden unsere Juden nicht stets kaufmännische Tätigkeit, Pedlertum, Finanzgeschäfte und besonders solche Berufe bevorzugen, wobei andere arbeiten und sie das Geschäft führen? Und selbst wenn das Leben einen Teil von ihnen zur Arbeit zwingen wird, wird dieser jedenfalls städtische Berufe wählen, wo man mehr Reichtum erwerben und schließlich die Arbeit los werde» kann, wenn er es nicht gar vorzieht, in anderere reicheren Ländern zu arbeiten. Der Boden aber wird auch dann fast völlig durch Fremde bearbeitet und die wesentlichste Arbeit wird im großen und ganzen durch Fremde verrichtet werden. Ist das der natürliche Zustand eines lebendigen Volkes? Und wer denkt darüber nach? Wer'fühlt dies? Wir haben keine Arbeit — und niemand fühlt ihr Fehlen. Wir fühlen es nicht, auch dann nicht, wenn wir über nationale Wiedergeburt sprechen. Die Arbeit vermissen wir weder als Kraft, die den Menschen an den Boden fesselt und diesen wahrhaft erwirbt, noch als Hauptqnelle beim Schaffen einer nationalen Kultur. Wir haben kein Land, feine lebende Sprache und Kultur — das fühlen wir wenigstens, erkennen es mehr oder welliger deutlich und suchen das Notwendige und Mögliche zu tun. Aber wenn er bei uns feilte Arbeit gibt, was liegt daran? Mag Iwan, Johann, Mustapha arbeiten — nur schaffen Kultur, bringen nationale Schöpfungen hervor und mache» die absolute Gerechtigkeit zum Herrscher der Welt. Aber welcher Art ist diese Kultur, die sich schließlich nach so langen und hartnäckigen Stampfen in unserer Bewegung durchsetzte? Sie besteht in dem, was man bei uns «Wiederbelebung des Geistesntrnk Dieser Geist, den wir wiederbeleben wollen, ist eben nicht lebendig, erfüllt und beß lebt nicht den Körper und erhält aus dem Körper kein Leben, er ist abstrakt und seilte Herrlichkeit existiert nur im innersten Herzen und Hirn. Diese ganze Kultur ist eigentlich nichts als ein Komplex von Meinungen. Und in bezug auf Meinungen kanll einer der Weltanschauung Hermann Strucks und des Rabbiners von Lidq, ein anderer der Marxens und Engels' huldigen. Jll dieser Weise sind wir gewohnt, bei uns Kultur anzusehen, ja manchmal sogar ein Aufblühen dieser Kultur auch in der Diaspora zu sprechen. «Meinungen-. «Geist" nehmen keinen Raum eilt, und nicht immer TA sich erkennen, ob sie zeitgemäß und volksecht sind. Aber m Wirklichkeit haben wir und können wir in der Diaspora doch feine lebendige Kultur haben, die sich aus dem Leben speist und sich aus ihm entwickelt. Wir haben keine Kultur — denn wir haben kein Leben; da- Leben in der Diaspora ist nicht unser Leben. Was wir in der Diaspora haben, sind bestimmte Kulturgüter, die wir ererbt und uns nach Bedürfnis im Geiste der

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