Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2425321-3181713-3181716--0841-3182634
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

imstande, groß zu denken und groß zu handeln. Wir könnten das Glück haben einmal ganz und gar und nur Juden sein zu dürfen. Aber der Geist der Sukkoth, der Geist der Freiheit sollte in uns leben. Sonst werden die Sukkoth noch lange für uns ein Symbol, noch lange nur ein« Erinnerung bleiben. Berlin Aarl Glaser Arbeit. unt Heft I „De* Jude" 1. Jahrgang." *3n unserem Innersten ist eL mit Blut und Tränen eingegraben: „Erlösung des Landes/ und nicht nur des ganzen „Landes"' mit einem Schlag, sondern jedeeinzelnen Stücks Boden, jedes einzelnen DunamS in ihm. Der Dunam ist unser Trachten bei Tag und bei Nacht. Zu dieser Handvoll Erde gehört aber noch etwas: daß sie durch unsere Arme bearbeitet, durch den Schweif) unseres Antlitzes, durch unser Blut und unsere Tränen getränkt werde. Der Dunam an sich, ohne diese Zugabe, beengt, bei all seiner großen Bedeutung, unseren Atem und verbittert unS das Leben" <HapoA Hazalr, 1911, Heft L2). Aber die Frage ist, ob es viele gibt, denen der Dunam an sich, ohne unserer Hände Arbeit, der» Atem beengt und das Leben verbittert. Die Frage ist, ob diese Zugabe wirklich bloß eine Zugabe ist oder nicht vielmehr die Wurzel, der Urgrund, auf dem die Erlösung deS Landes, richtiger: unsere ganze Wiedergeburt beruht. Wenn die Zahl derer, die zu dieser Erkenntnis gelangen, sich allmählich dergrößerte; wenn diese Erkenntnis immer klarer, stärker und tiefer würde; wenn den Dunam im Verein mit unserer Hände Arbeit — unserer Hände Arbeit im Verein mit dem Dunam ablöste: dann könnten wir dieS als den Ausgangspunkt einer neuen Epoche unserer Arbeit in Palästina und unserer gesammten nationalen Arbeit betrachten — einer Periode der wahren Wiedergeburt. Einen neuen Geist könnten wir darin erblicken oder besser: das uns fehlende Wesentliche. Erlösung deS Landes Und — Arbeit. Wer sehe darin nicht zwei Seiten einer Münzet Die Sache ist ganz klar und einfach, und wer möchte sie nicht verstehen? Aber schon die alten Weisen sagten, daß gerade die einfachste Sache am schwersten zu begreifen ist. « Gin Volk, da» ganz von der Natur losgeriffen ist, das jahrtausendelang in Mauern eingefperrt war; ein Volk, das an Me Arten des Lebens gewöhnt war, nur nicht an eine natürliche, an ein Leben der Arbeit aus sich heraus und für sich, — kann nicht ohne Anspannung seiner ganzen Willenskraft wieder ein lebendiges, natürliches, arbeitendes Volk werden. Uns fehlt das Wesentliche: die Arbeit, — nicht die aus Zwang, sondern die, mit der sich der Mensch organisch und natürlich verbunden fühlt und durch die daS Volk seinem Boden und seiner in Boden und Arbeit wurzelnden Kultur verwachsen ist. Zwar arbeiten auch bei anderen Völkern nicht alle, auch bei ihnen gibt eS viele, die die Arbeit verschmähen und sich Wege suchen, um durch Anderer Arbeit zu leben, aber ein lebendiges Volk entfaltet feine Tätigkeit auf natürliche Weise; seine Arbeit gehört zu seinen organischen Funktionen und wird organisch geleistet. Ein lebendiges Volk hat stets eine große Mehrzahl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.