Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Druck suchen. Wenn die Juden Amerikas, Englands, Griechenlands und Hollands, die nie im geringsten zu klagen hatten, für die Verwirklichung des alten Volksideals einstehen, so ist damit der Beweis erbracht, daß der Lame der Zionsliebe auf freiem Boden erst recht Wurzel schlagen kann. Wo fich dagegen Juden in innerer Abhängigkeit befinden, wo die Anfeindungen, denen sie seitens ihrer Umgebung ausgefetzt sin-, ihren Ltolz zu beugen, ihre Menschenwürde zu beeinträchtigen vermochten, da bedarf es starker sittlicher Kraft, um anstatt billiger Unterwerfung den Gedanken der Lelbstbefreinng zu fassen, zu vertreten und an seiner Verwirklichung zu helfen. Darum stehen ihm in Ländern, wie Polen und Galizien, ja auch in Deutschland, weite Kreise frenrd oder feindlich gegenüber. Aber selbst hier bereitet fich immer deutlicher eine Wandlung vor; es kommt die große Scheidung auf der «inen Leite das jüdische Volk, alle Kreise, die am Judentum festhallen wollen ohne Unterschied der Partei— auf der anderen der jüdische Abfall, die verlorenen, deren Name nicht genannt werden wird. ... Wir haben also allen Grund, freudig in di« Zukunft zu sehen. Das nur stört unser« frohe Erwartung: Das rumänische Judentum hat unter dem Antisemitismus der Bevölkerung und. unter dem bösen Willen der rumänischen Behörden furchtbar zu leiden, unseren Brüdern in Polen droht die Brutalität befreiter Lklaven und in Palästina selbst find Zustände eingetreten, die unsere Kolonisation aufs schwerste gefährden. Infolge der Kämpfe bei Gaza sind einige der ältesten unblühendsten jüdischen Liedlungen von den Bewohnern geräumt worden. Die Evakuierten hatten Zeiten furchtbarer Not durchzumachen und nur die Hilfsbereitschaft des gesamten Judentums, hat das Schlimmste verhütet. Wir werden nach dem Kriege manches wieder Herstellen müssen, was der Fleiß jüdischer Hände vor dem Kriege geschaffen. . Unser« Aufgaben werden weit größere sein. Es wird sich erweisen müssen, ob die Freiheit, die wir verlangen, nur die Ausgeburt begeisterter Reden oder ob sie mit ganzem Herzen, mit ganzer Lee!« und mit ganzem Gemüte erfaßt ist. Es wird sich zeigen, ob wir jenen gleichen, die nach den Fleischtöpfen Aegyptens bangten, als ihnen klar wurde, daß die Befreiung nicht ein Geschenk war, sondern erkämpft werden mußte, oder denen, die den Boden Kanaans erstritten — Lieger schon, bevor sie gesiegt hatten. Nicht ob em nationales Judentum sein wird, ist die Frage — das steht für alle Zeiten fest — sondern wie es sein wird — darum handelt es ssch. Wir müssen der Zeih in der wir leben, würdig sein»