Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Haben genug gesehen, und eS kommt der große Augenblick, wo der Motor abgestellt wird. Fast erschreckt nimmt man plötzlich wahr, daß das laute einförmige Geknatter aufhört, um dem leiseren, pfeifenden Geräusch deS abgedrosselten Motors zu weichen. Sofort neigt sich der Kopf der Maschine steil nach unten. Das ist der Augenblick, in dem sich jeder bei seinem ersten Flug fragt: „Ist das nun Gleitffug oder Absturz?" Bald verschwindet dieser Zweifel vor der jauchzenden Freude an der fallgeschwinden Bewegung. ES ist ein Lustgefühl, ähnlich dem, das man auf dem Rodel oder einem galoppierenden Pferde empfindet. Weit nach hinten gelehnt, die Arme auf die vordere Kante gestemmt, stehe ich fast aufrecht. Aus dem Auspuffrohr, das wie ein Nashorn nach oben ragt, strömt ein dichter Strahl feuriger Gase. Der Wind umpfeift uns gewaltig. Der riesige Luftstrom macht alle Teile der Maschine zittern und klingen. Schnell ist der Erdboden wieder nahe gekommen; der schwierigste Augenblick für den Flieger ist da: es heißt die Maschine richtig abfangen, aus dem Sturzflug in sanften Gleitflug übergehen. Noch sind wir weit vom Flugplatz. Mir kommen nicht bis hin, nicht einmal auf die Wiese davor, im Sturzacker werden wir aufsetzen/ sage ich mir. Immer wieder die alte Täuschung. Hoch über Sturzacker und Wiese kommen wir bis zur Mitte des Platzes. Da hört man zweimal das Fahrgestell leicht federnd aufnauchen: Fein gelandet. Sogenannte Eierlandung. Sogleich rollen wir ruckweise weiter, nach der Halle zu. Nur nicht den Propeller stehen lasten. Sonst steht der große Vogel still, allein auf weiter Flur, und es heißt aussteigen und den Propeller wieder anwerfen. Dicht vor der Halle machen wir halt, steigen aus, schütteln uns die Hand. Ich kann jetzt nach getanem Dienst heimgehen und die Ziegen einsperren. Kamerad R. aber hat noch zu tun. Unter seiner Aufsicht wird der Motor erst noch einer genauen Prüfung und liebevollen Pflege unterzogen. Denn er ist die Seele, die Kraft der Maschine, das Schicksal des Fliegers. Herbe rt Engel z. Zt. im Felde Aus der Bewegung Bericht -er Brrn-esleitrrrig Vom 27. bis zum 29. Mai fand in Lohs bei Sorau eine Zusammenkunft der ostdeutschen Bünde statt. Berlin, Breslau, Leipzig, Posen, Ratibor waren durch 240 Wanderer vertreten. Auch Lroffen, München, Glogau fehlten nicht. Die Schattenrisse dieses Festes, die Breslau gezeichnet hat, werden manchem eine deutliche Erinnerung fein. Die Aussprache der Führer behandelte Lm wesentlichen Heimabende. Blauweißblätter und Führerzeitung. Für die Organisation war wieder einmal hie und da, besonders am ersten Nachmittag, zu lernen, wie es nicht gemacht werden soll, aber in anbetracht des Krieges konnten wir im ganzen recht zufrieden fein, und verhungert ist niemand. Die Landschaft war wie geschaffen für uns. An Liedern und anderen versuchen zeigte fich noch mancherlei als unausgeglichen, irrend, tastend, aber in unserer jüdischen Stimmung fühlen wir uns immer sicherer und einiger. Am letzten Abend, beim Feuer, Lm Gewitter wäre jedes Lied, jedes Wott, das nicht aus unfern jüdischen Gefühlen heraus geboren wäce, wohl für jeden eine Entweihung gewesen: das war selbst von Lockwitz aus gesehen noch ein Schritt mach vorwärts.