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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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Lederjacke, Sturzhelm, Brille, Kopfschützer und Schal. Schnell lege ich das aller an und klettere durch ein Gewirr von Spanndrähten hinein in den Beobachtersitz. Kaum habe ich mich in dem gepolsterten Armsessel niedergelassen, als ein Monteur mich auf meinem Sitz mit einem breiten Lcdergurt festschnallt. Nun werden die Bremsklötze entfernt, der Schwanz vom Bock herunter auf die Erde gesetzt, der Propeller angedreht, mrd es geht los. Immer ruckweise wird Gas gegeben, dann wieder abgestellt, so daß der Propeller bald schnelle Touren macht, bald mit leerem Schwünge läuft. Solist würden wir uns zu früh vom Boden erheben. Trotzdem geht eS in schneller Fahrt, die beiden Monteure, die sich rechts und links an den Strebe« halten, müssen flink laufen, um mitzukommen. So wird der große Vogel wie ein unbändiges Pferd an beiden Seiten geführt, im weiten Bogen bis zu dem Platz, wo der Startoffizier mit seiner Malmschaft steht. Er schreibt die Zeit auf, unsere Namen und Nummer, den Zweck der Fahrt; dann winkt jemand mit einer weißen Flagge. Nun Vollgas — mrd davoll schwirrt der Albatros mit den 120 Pferdekräften. Erst geht es eine Strecke weit auf dem Rasen, dann sieht man ganz allmählich dm Erdboden nach unten versinken. Soweit hatte ich alles mit ernster Aufmerksamkeit verfolgt. Aber darin ttre ich etwas Lächerliches. Ich drücke mir die Hand und nicke mir vergnügt zu, indem ich denke: Man fliegt schön seit einigen Jahren. Für mich aber wird heute, jetzt, die große Menschheitssehnsucht erfüllt: Ich fliege! Mein Kamerad bat es eilig, hinaufzukommen. Ich spüre eS jedesmal, wie er mit einem Ruck des Höhensteuers die Maschine hinaufzieht. Nach jedem solchen Aufstieg sacken wir wieder einige zehii Meter durch nach abwärts. Das verursacht dasselbe unangenehme Gefühl des BerstnkenS, das ihr aus einem absteigenden Fahrstuhl kennt. Inzwischen habe ich schon einen hübschen Ausblick über die Stadt gewonnen. Bald finde ich mein Haus mit dem bunten Schieferdach, dahinter auf der grünen Bleiche ist die frische Wäsche ausgebreitet. Und läuft nicht etwas Dunkles darüber? Ach ja, die Ziegen. Gewiß ist alles ausgeflogen, und niemand da. um acht zu geben. Was ist das da auf der Landstraße, eine doppelte Reihe weißer Pünktchen? Richtig, die Husaren mit ihren Lanzenflaggen, viel mehr ist von ihnen nicht zu sehn. Nun schaue ich mich auch ht nnserm Luftgehäuse um. An der oberen Tragfläche sieht mail kreisförmige kleine Flicken mit roter Umrandung aufgesetzt. Daneben steht: Hattonville, 13. Mai 1915. Auf dem andern: LihonS, 1. Juni 1915 usw. Das find die Narben uliseres ruhmreichen Albatros. Durchschüsse feindlicher Geschosse. Nicht alle sind so leicht zu flicken. Jetzt sieht man, ziemlich weit unter uns, einen anderen schlveben. Schneeweiß glänzen seine Flügel in der auffallenden Sonne. Unten vor der Halle stehen noch drei andere Maschinen in Reih und Glied. Wie -ausgespannte kleine Schmetterlinge sehn sie aus. — R. dreht wieder eine seiner beliebten steilen Kurven. Man merkt es an dem inneren Flügel, der sich der Erde nähert und sogar rückwärts zu drehen scheint. In Nebel und Wolken fallt diese Orientierung weg, daher die Gefahr für den Flieger. Denn ein körperliches Gefühl, ob man schräg im Raume liegt oder gerade, gibt es nicht. — In der Ferne wird die silberglänzende Schleife des Stromes sichtbar. Der Horizont ist gewaltig weit und ganz verschwommen. Sind diese hellen Streifen noch Landstraßen oder schon Adern in den Wolken? Man merkt nicht mehr, wo Himmel und Erde sich berühren, sie scheinen in sanfter Wölbung ineinander überzugehen. So hat man das Gefühl des Schwedens im Mittelpunkte einer Kugel, es ist ein ganz anderes Bild als von einem Berggipfel aus. — Nun sind wir in der gewünschten Höhe, .70

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