Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Straßen fassen die Menschen kaum, die nach Hause eiten. Aber Ln einer halben Stunde verläuft sich der Strom, und hinter den Haustüren webt geheimnisvolles Leben. Schabbath schaloml Schabbath schaloral „Schabbath-Frieden!* Die Stadt gehört jetzt den kleinen Mädchen und Buben, die als die Ersten den Schabbath begrüßen. Die Mädchen haben ganz tiefschwarzes Haar und trage» schwarzseidene Schürzen. Die Buben haben weiße Kragen mit bunten Schleifen. Und Mädchen wie Buben knabbern „FriSkoh* oder «Pain V Espagne," denn ohne diese Leckereien gibt es keinen echten SchabbLth in Saloniki. Die Männer gehen zur Synagoge, sie tragen seidene, bunte Gewänder mit Pelzbesatz. Die Frauen setzen sich vor die Tür, auch ihr Gewand ist bunt und kostbar. * Es ist dunkel geworden. Aus vielen tausend Fenstern strahlt das SchabbLth-Licht ins Freie; in jeden Raum seines Hauses stellt der Jude in Saloniki eine Lampe, wie eine große Festbeleuchtttng sehen all diese Lichter aus. Und alle Fenster find offen, und aus jedem klingen hebräische Lieder. Am Kai glühen viele, viele Flämmchen an den Spitzen der Booten Die armen jüdischen Fischer sitzen unter dem Schilfdach ihrer Schifflein, und über der Kohlenpfanne röstet die Schabbüthspeise. * An diesem Abend bin ich in Saloniki ganz heimisch geworden, — wie der. Jude überall heimisch wird, wo ein Sabbatlied klingt und ein Sabbatlicht leuchtet. I m F e l d e C. Z. K l ö tz e l Ariegserlebnis Vielleicht denkt ihr, ich werde von irgend einem Geschehnis, einem Abenteuer oder einer Schlacht erzählen? Nein. Dieses Kriegs* erlebnis war ein sonniger Dezembertag, mild mit linder Luft, wie bei uns im März, wenn die ersten Veilchen kommen. Ich stand oben auf einem Hügelzug in Serbien, der die Aolubara, ein liebes Flüßchen, mit tiefem Wasser und klaren Spiegelungen, begleitet. Grab an Grab ist da oben. Zwei Jahre sind es schon, seit hier Sturm ge* laufen wurde, und noch immer sind Aappen, Brotsäcke und Schachteln von Liebesgaben verstreut. Gin paar dünne Stämme grenze» , die Gräber ab, Erika wuchert dazwischen, haidegras. In der Luft lag Feiertagsklingen. Ihr kennt es sicher, dieses ruhige Leben der Landschaft, wenn man unwillkürlich Glockenkläng zu hören meint, wenn die Landleute geputzt in den Feldern gehn, wen»