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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Aber als ich mich znm ersten Mal in ein Bett mit Moskitonetzen legte, fühlte ich mich nicht mehr ganz so Verlässen wie ans dem lärmersullten Bahnhof. Die hebräische Speisekarte gab mir ein klein bischen Heimatgefühl. * - Meine Fenster gingen auf das Meer. Im Hafen raffelten die .Krane und dampften die Schlote. Auf den» Meere fuhren Fischerboote mit bunten, dreieckigen Segeln. Auf der Uferstraße zog eiü langer Zug kleiner Esel vorbei, hochbeladen mit Kohlensäcken. Jenseits der blauen Fläche aber lag eine grüne Küste und ein hoher Berg mit schneebedecktem Gipfel: das griechische Gestade itub der Olymp, der Götterberg. Unter meinen Fenstern aber zog ein ununterbrochener Strom geschäftiger Menschen vorüber. Verkäufer, die ihre Waren auf dem Kopfe trugen und sie mit lautem Singsang anpriesen, Männer mit dem roten Fez auf dem Kopf und solche mit schwarzem Hut, alle in Eile, als hätten sie etwas zu versäumen. Ich sagte so 4twaS zu dem Manne, der bei mir war, und an dessen Schule ich unterrichten sollte. „Nun", meinte er, „das ist hier jeden Freitag so. Jeder will seine Geschäfte erledigen, ehe der Schadbat kommt." „Sind denn alle diese Leute Inden?" fragte ich erstaunt. «Ja, — Sie leben jetzt in einer jndi s ch e n Stadt!" Ich habe in den nächsten vier Stunden wohl hundertmal gefragt: „Ist der da auch Jude?" „Und der?" „Und jener?" Und alle waren sie Inden: die Wafferverkänfcr und die Olivenhändlcr, die Spängler utib die Schmiede, die Bäcker und die Sattelmachcr, die Tischler und die Wollkämmer, die Pantinenschnitzer und die Kesselpocher, die Eseltreiber und die SLraßenbahnschaffner, die Kaufleute und die Lastträger, die Geldwechsler uub die Hafenarbeiter. Von den Minarets wehte die türkische Fahne zu Ehren des mohammedanischen Ruhetages, und vor den Türen der Moscheen standen die Pantoffelreihen, an denen man abzählen konnte, wieviel Gläubige drin auf den Gebetsteppichen knieten. Aber , die jüdische Stadt arbeitete doppelt schnell, weil i h r Ruhetag nahte. Gegen Mittag beobachtete ich etwas Wunderschönes. Das Meer belebte sich mit Fischerbooten, die von der griechischen Küste kamen und eine Wettfahrt auf die Stadt zu abhiclten. In einer Runde waren ihrer über 200 angelangt, lagen Seite an Seite am Kai, warfen ihre lebendige Last änf die heißen Steinfließen und die Menge drängte sich rings um die Boote. Das war die Heimkehr der jüdischen Fischer, die während der ganzen Woche auf der Knstcnfahrt sind und denen das Boot die Heimstätte ist. Zum Schabbllth aber kommen sie zur großen jüdischen Stadt und Mann und Weib, Ruder und Segel feiert. * Im Hafen heulen die Sirenen. Die Krane drehen sich noch zwei, drei Mal, — dann bleiben sie bewegungslos. Die Lücken schließen sich. lieber die schwankenden Bretter schreite» die jüdischen Hamale (Arbeiter) an Land, königliche Gestalten in zerfetzten Kleidern. Kein noch so hoher Lohn kann sie bewegen, am SchabbLt zu arbeiten. Der Kapitän mag fluchen, — im Hasen regt sich keine Hand mehr, raffelt keine Kette. Zn der Stadt schließen die Läden. Die Elektrische ist überfüllt, die engere eh

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