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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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schieden« sein, die aus der unbekannten Welt des Jenseits kamen, um ihre Andacht zu verrichten, vielleicht schwere Versündigungen abzubüßen. Denn das »Widdni" (SündcnbekenntniS) sprechen ste mit besonderer Zerknirschung. Doch jetzt schlägt die alte Turmuhr draußen auf dem benachbarten Schlosse, das dem Kirchenfürsten gehört. Eins. Die Lichter des BersöhnungStagcS flammen wieder auf. wie mit eine« Schlage sind die Nachtgespenster, die Schedim, verschwunden. Da bemerkt der SchameS, daß der eine Schrd, wohl in der Eile, seinen TaliS zurückgelaffen hatte. Der Diener nimmt ihn an sich, bewahrt ihn vorsichtig auf, denn an ihm hofft er,' ein Amulrtt zu besitzen, das ihm Reichtum und Glück verbürgt. — Aber seit dieser Rächt begegnet de» Bewohnern der »Gaffe", wenn sie in der Finsternis sich nach Hause begeben, der Schrd. klagend und jammernd und nach seinem TaliS heischend. Niemand wagt sich zur Nachtzeit auf die Straße. Furcht und Angst erfüllt all« Ghettobcwohnrr. ES ist wirklich im Ghetto nicht geheuer. Vergebens sucht mit allerlei kabbalistischen Beschwörungen der fromme Rabbi der Gemeinde den Spuk zu bannen- — Da wird er in einer finsteren Winternacht zum SchameS berufen. Dem hat daS Amulett keinen Segen gebracht. In schweren, -furchtbaren Krämpfen windet er sich auf seinem Krankenlager. Und, da der Rabbi bei ihm erscheint, und 10 Männer sich versammeln, um die Totrngebete zu verrichten, gesteht der von GewiffenSbiffen gepeinigte arme Mann, wie er sich das Eigentum des Verstorbenen angeeignet und Ladurch den Fluch des »Schrd" heraufbeschworen. Der Rabbi nimmt den TaliS, begibt sich mit ihm auf den benachbarten Gottesacker und legt ihn dort nieder, geheimnisvoll« Worte murmelnd. — Am nächsten Tage war der TaliS verschwunden und mit ihm auch der Spuk. Der SchameS starb ruhig, ergeben in de» göttlichen Willen. Die Frommen aber sagen, wenn sie von der Kol-Ridre-Nacht sprechen: »Heut' eine gute Nacht. Der Herr bewahre uns vor Versuchungen aller Art und behüte uns vor dem Fluche der Scheddim. Prof. Dr. M. Grünfeld Ein« Legend« Vor viele«, vielen Jahren lebte in einem kleinen Dorfe «iu jüdischer Hofpächter mit seiner Frau. Sie waren beide sehr fromm und gottergeben und taten stets das, was gut im Sinne Gottes war. Sie waren deshalb auch bei den Dorfbewohner« sehr angesehen, und brauchten dieselben einen Rat. dann kamen sie immer zu ihm, di« Frauen in HauSangelegenheiten zu seinem We»be. Und immer hatten Löb Mo» scheleS und sei» Weib eine» guten Rat bei der Hand und immer trafen sie auch daS Richtige. Da kam ein« Zeit, da die Juden hart bedrängt wurden, da man sie beschimpfte und schließlich auf böse Gerüchte hin, tötet«. Und überall verbreitete sich diese Wut der Andersgläubigen gegen die Juden, denn einer hetzte den andern. Auch in das Dorf, i« welchem Lob MoscheleS wohnt«, kam eines Tages di« Unruhe und obzwar dieser und sein Weib dieselbe besorgniserregend fanden, täte» sie doch nichts, denn sie bauten auf Gottes Hilfe und dachten auch, die Unruhe werde sich legen, da sie bisher noch immer gut mit den Dorfbewohnern ansgekommen waren. Aber sie sollten sich irren. Einmal als sie früh aufstandrn, hörten sie lautes Geschrei -»»r ihren Fenstem und als sie hinaussahen, erblickte» sie «ine Horde Menschen, die «1

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