Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dein Leid auf ihrem Herzen. Sie hat mich angewiesen, unverzüglich dir zu Hilfe zu eilen, und siehe, darum bin ich hier!" „Narr", schrie nun der Hausherr mit zornrotem Gesicht, „wie wagst du herzukommen, um meine Not fo zu verhöhnen! Seit fünfzehn Jahren ist Esther Schisra, meine Schwester, tot, mit diesen meine» Händen habe ich ihr Grab bestellt und sie darin gebettet." Da seufzte der Lhasfid tief auf, und verbarg sein Angesicht. Endlich raffte er sich auf und nun fand er Worte, dem Bruder der Toten die Wahrheit zu weisen. Als er Anfehn und Gewand der Frau im Torweg beschrieb, traten dem Rabbi Leib stille Tränen in die Augen und er sprach: „Ja, so wie du sagst von Angesicht und so geschmückt Hab ich vor fünfzehn Jahren sie ins Grab gelegt. Hm deinetwillen ist sie heraufgestiegen für «ine Abendstunde, dir beiznstehen, darum Bruder, darf ich ohne Scham aus deinen Händen die Hilfe annehmen" ITlit Worten des Segens einer für den andern gingen sie von «inander in Frieden. Der Thasfid lebte fortan in großer Dürftigkeit mit seinem Weihe» doch wurde ihr Bund gesegnet. Ehe dar Alter über Beide kam, empfingen sie einen Sohn. . (\907) Martin Vnber De« Sched (Das Gespenst) Jüdische Sage aus Mähren Wenn meine, nun schon lange im Herrn ruhende Mutter, vom Kol-Wdre- Abend (Vorabend des Versöhnungstages) sprach, so tat sie dies immer mit dem Zusatze: „Heut' eine gute Nacht."— Diese geheimnisvollen Worte bezogen Ach ans die nachfolgende Sage, für deren Wahrheit Ach die ältesten und erfahrensten Leute verbürgten. Es war nach dem feierlichen Gottesdienste an dem heiligsten Abende des Jahres, da blieben die Frommen in der alten, aus dem 17. Jahrhunderte {tarn* wenden „Schul" zurück, um den Anbruch des Versöhnungstages im frommen Gebete zu erwarten. Die meisten von ihnen waren in einen sanften, aber desto tieferen Schlaf versunken. Der SchamcS (Tempeldiener) allein blieb wach. Mitternacht war gekommen. Da plötzlich erhebt fich ein geheimnisvolles Rauschen und Raunet wie eine Wehklage zieht eS durch die alten Raume. Die Lichter in dem „Schul" verlöschen und doch erleuchtet ein geheimnisvoller Strahl die Synagoge. Und sieh' da, es erscheinen plötzlich, man weiß nicht woher, zehn Männer, kn Kittel (Sterbegetvand) und Gebetmantel Malis) gehüllt, einer von ihnen öffnet die Bundeskade, entnimmt ihr die Thorarolle und liest aus ihr den Festabfchnitt vor. Dies alles steht der Schames und noch mehr. Er hört, wie die Männer klagen und stutzen. Wer sie waren, das wußte er allerdings nicht. Müssen wohl schon langst Abge-