Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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«et und so ließ er ungesäumt Suwalki und suchte jenen Grl auf. £r fand Rabbi Leib verschlossen und bedrückt, wenig geneigt, dem unbekannten Gast sein Herz zu eröffnen. Erst nachdem er viele Wort« ' und viele Herzlichkeit angewandt hatte, stand der Hausherr ihm Rede und entdeckte ihm, wie schwere Sorge auf ihm laste, da er in diesen Tagen die Tochter zu vermählen habe. Durch mancherlei harte Zu« fälle, durch Mißernte und Geiz seines Pachtherrn habe er die Mitgift des Mädchens aufbrauchen müffen, um seinem übrigen Hausstand das Leben zu fristen. Die Verlobung sei schon in den Rinderlagen der Braut geschloffen, als er und die Seinen noch im Wohlstand lebten, allzusehr hätte sein Unglück ihn von den Verhältnissen des Bräutigams entfernt, und sei er nun nicht imstande den Lhevertrag einzuhalten, so würde dies der Familie des Verlobten zum willkommenen Anlaß das Band zu lösen, denn längst sähen sie mißgünstig auf die Armut -er Braut und nur Sitte und Ehrbarkeit binde sie. Sein Rind aber siele -er Verachtung anheim, schon seit Wochen sitze sie darum trostlos weinend in der Kammer. „Nun Freund," sägte der Lhassid, '„sei nicht also verzagt, vielleicht kann ich dir Rat schaffen!" „Ach," erwiderte Rabbi Leib, „wie kämst du, ein Fremdling, dazu mir zu helfen?" Und er lächelte bitter und ungläubig vor sich hin. „Nun," sprach der Lhassid, „sieh, ich habe die zweihundert Goldgulden bei mir und weiß just keine beffre Anwendung dafür, als daß ich dir sie anvertraue,-solange du sie gebrauchst!" Allmählich schöpfte der Hausvater Vertrauen zu,'dem Fremden, dessen ehrliches Gesicht ihn einnahm, und nun wollte er wissen, wie «s denn .käme, daß er als Unbekannter solche Gnade vor seinen Augen gefunden habe. Da meinte det Lhassid, es sei nun an der Zeit, daß auch er sein Geschick und seine Sendung enthülle, und er begann, indem er sagt«; „Esther Schifra, deine Schwester hat mich hergesandt und mir geboten, dir Hilfe zu leisten!" Der Hausherr aber wandte bei diesen Worten sein Gesicht abseits und mit einer seltsam schwankenden Stimme tat er di« Frag«: „Wo hast du meine Schwester zuletzt gesehen und wann hat sie dir .befohlen also zu tun?" ', „Vor etlichen Wochen,", sagte der Lhassid, „es war auf dem großen Markt zu Balta, habe, ich sie wiedergefunden nach vielen Jahren, da erzählte sie mir von deinem Mißgeschick und sehr lastet« i*