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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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gemach bin ich gegangen, um dieses Tages willen. Ach Frau, nun 1» du Gnade an mirl Was du über mich verhängen wirst, mein Unrecht zu sühnen, ich will es vollführen." Die Frau wandte ihm ihr Angesicht zu und sagte leise, so daß jedes Wort wie eine perle.von ihrem Mund sich löste und in sein Herz fiel: „Herr, unser Gott war nur gnädiger, als du heute ermessen magst, irdisch Gut frommt mir nicht mehr und an keiner Sühne hangt mein Frieden. Aber höre, fern von hier lebt mir ein Bruder, bei Suwalki auf einem Dorfe. Er ist rechtschaffen und fromm, aber sein Haus ist in schwere Armut geraten. Eben um diese Zeit soll er seine Tochter vermählen, doch fehlt ihm alles, kein Heller ist in seiner Tasche und kein Rat, wie er ihr die Ausstattung schaffe. Wie es mir «inst geschah, wird ihr geschehen, sie wird verschmäht werden und große Herzensnot wird über ihr und den Ihren sein. Soll ich das Leid, das mir durch dich geschah, ans dem letzten Grund meines Herzens tilgen, so wandre dorthin und wende die Trauer von ihr nnd ihren» Haus ab. Zweihundert Goldgulden tun not, damit alles gut zu Ende geführt wird, gibst du ihnen das Geld, so ist geholfen." „Mit Freuden"- sprach der Ehassid, „will ich tun was d» verlangst. Nimm sogleich das Geld aus meinen Händen hin. Was frommt es uns, daß ich zu deinem Bruder fahre, gib ihm selbst, schick es ihm durch einen Boten; ganz wie es dir gut scheint, magst du alles bestellen. Mich aber laß heimkehren, mir ist nach der Heimat bange." Da schüttelte die Frau sachte das Haupt und sprach: „Nein, all dies zu tun ist mir versagt. Nur diese meine Worte kann ich dir hingeben, alles Erfüllen aber ist bei dir. Bring dem Bruder meine Grüße und lege du selbst das Gold in feine Hand. Lebe wohl, meine Zeit ist um." Sie winkte ihrer Begleiterin, beide traten auf die Straße hinaus und schon schlang die Dunkelheit sie ein. Da stürzte der Ehassid, von ihrer Rede und ihrem eiligen Scheiden verwirrt, ihr nach, pe festzuhalten. Noch einmal schimmerte ihr Antlitz auf, schon fern, doch ihn» zugewandt und sagte voll Wehmut: „Freund» vergebens folgst dn mir,'-weit geht meine Reise. Eile tut mir not." Flüchtig hob sie ihre Hand zum Abschied und war hinweg. Am nächsten Morgen trat der Ehassid die Wanderung nach Suwalki an und-als er nach Wochen mühseliger Fahrt dort angelangt war, hielt er alsbald Nachfrage nach Rabbi Leib, dem Bruder feiner einstigen Braut. Man nannte ihm ein nahes Dorf als dessen Wohn- «• ■ :

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