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Blau-Weiss-Blätter · 1917-05-01 · 1 (5.1917) · page 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
1 (5.1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Lchwuauß-Nacht Auch «in Fah'tbericht Mas wißt ihr von jüdischen Festen, ihr Jungen und Mädel, die ihr in der Enge der Großstadt fitzt! Ja, ihr geht in den Tempel, ihr putzt euch, ihr freut euch der Ruhe und des häuslichen Friedens, — aber ein rechtes Fest kann nur draußen gefeiert werden. Mag fein, daß auch' der Schimmer des Ghetto feine dämmernden Reize hatte, für mich ist jedes jüdische Fest mit der Stimmung der Natur verbunden. Schwuauß war dal Wir konnten uns mit gutem Gewissen am ersten Abend au Suppe und Fischen mit Zuspeisen satt essen, denn niemand hatte zu aumern versäumt, und wenn doch einmal, so hatte ers gewiß am nächsten Tage nachgeholt. Den Aäsekuchen morgen früh, von dem eigentlich nur kosten darf, wer richtig geaumert hat, haben wir uns also redlich verdient, und wers nicht hatte, der gad es doch vor! Mutter stellt noch Thee und Gebäck auf den Tisch, dann geht fie zu Bett, müde genug von den Vorbereitungen des Festes; Vater nimmt fich den Tikkun vor, um darin zu lesen. Aber ich mag fie nicht, diese bunt zusammengewürfelte Auswahl, ich greife lieber zu irgend einem Bande Talmud, um Gemoro zu lernen. Das gibt dem verstände doch was zu tun, kaum merke ich auf, wie auch der Vater nach einer Stunde zu Bette geht. Ich will die Nacht nach alter Sitte durchwachen I Irgend eine Stelle verblüfft mich, das kann doch nicht stimmen, was sagen die Taußfauß dazu? And fällt Salomo Luria nichts auf, diesem scharffinnigsten aller Aommentatoren? Aber er bietet nur neue Schwierigkeiten, und als ich endlich befriedigt bin, da schlagen auch schon die schweren, dunklen Töne der Fabrikgkocke Mitternacht. Zwei Stunden Talmud, damit ist meine Denkbegier eigentlich gestillt, ich will mich an der Bibel ein wenig erholen. And schon packt mich das Pathos des zweiten Iesaia. Als ich noch ein Jungs war, und von Bibelproblemen nichts wußte, erregten diese rauschenden Rhythmen im zweiten Teile Iesaias mir Sinne und Herz, und er und Schiller teilten fich in meine Iugendbegeisterung. In dieser Nacht lese ich ihn vielleicht schon ein wenig anders, und doch, der Iugendzauber reißt mich immer wieder hin. Aber heute ist ja Schwuauß, das alte Erntefest, und so erquicke ich mich noch an dem wundersamen» sommerlich durchgluteten Buch Ruth. Es ist zwei Uhr geworden, in anderthalb oder zwei Stunden geht die Sonne auf, und ich muß meine kleine Schwester wecken — fie mag damals 3*

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