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Blau-Weiss-Blätter · 1917-05-01 · 1 (5.1917) · page 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
1 (5.1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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«twa 13 Jahre gewesen sein — die mit mir hinaus will, zum Sonnenaufgang. Weißt du noch, Gretelein? Im Dunkel der Nacht, ein wenig fröstelnd, wandern wir durch die Gasse. Der Fimmel ist bewölkt, wer weiß, ob uns die Sonne scheinen wird? Bald schreiten wir durch das Wäldchen, und der Duft der Fliederhecke rauscht uns schwer entgegen. Schlägt da nicht eine Nachtigalhvnd wieder eine? Es beginnt zu grauen. Keine seltsam-geisterhaftere Stunde gibt es, als diese vor Sonnenaufgang, unverkennbar geschieden von der Dämmerung des Abends, trotz gleicher Helligkeit. Des Abends, da zittern noch die Lüfte von den Strahlen der verschwundenen Sonne, «in warmes Leuchten sättigt die Lust, bevor purpurn die Nacht sich senkt. Jetzt aber, bleigrau liegt es auf uns, kühl, alle Begierde, aller Taumel ist wie weggelöscht in dieser unirdischen gleichmäßigen Ausge. glichenheit. Wir schreiten auf schmalem Rain einen Hügel hinan. Die Gräser sind naß von Tau, reifende Weizenfelder wogen um uns. Und dann treten wir in das schweigende Dunkel des Buchenwaldes am See. Wann waren wir doch zuletzt hier? Ach ja, auf unserm alljährlichen Peßachspaziergang, als aus dem gelben Blätterboden Leberblumen und Anemonen leuchteten. Und wieder schreiten wir durch weite Felder: schon klingt es über uns von Lerchen. Der Himmel strahlt von Gelb und Violett und Purpur, im Osten sind die Wolken fast verschwunden, und da, — wie wenn eine schwere Spannung gelöst ist: die Sonne! Wie verhaltener Jubel liegts über -er Erde. Sollen wir etwa schon wieder umkehren, jetzt wird es ja erst schön draußen! Wir werden schon auf irgend einem Umweg nach Hause kommen. Durch Lehmboden,. über Wiesenpfade, durch Gestrüpp gehen wir aufs Geratewohl weiter. Aber was ist das, siehst du dort vor uns den Schornstein, wohin kann der gehören, ich habe keine Ahnung, wo wir eigentlich sind.. Da bekommt es die Grete doch ein wenig mit der Angst. Endlich glaube ich mich orientiert zu haben, aber dann haben wir uns arg verlaufen. Ls find wohl mehrere Stunden bis nach Hause, und um neun geht man dort zu Mußaf nach Schul! G weh, was werden die Eltern sagen? Und Marga» grete! Mädchen! Wie siehst du aus? Deine neuen weißen halbschuhe völlig naß und lehmig, und das weiße Kleid unten ganz beschmutzt! Ich glaube, sie fängt mir bald an zu weinen. Mutig, nur vorwärts! vorwärts! Todmüde biegen wir um die Ecke unserer Straße. Uns ist beiden nicht wohl zumute, mir wegen des Gottesdienstes, ihr wegen der ach! so schön gewesenen Schuhe. Gott sei dank, da stehen sie

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