Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425321-3181713-3181714--0780-3182571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ihre Lebensweise aus? Am Tage hüten sie ihre Werden, die Schafe und Rinder; suchen Weideplätze und Brunnen für . ihr Vieh, reiten schnelle Resse und erlernen das Waffenhandwerk, um vor dem Feinde bestehen zu können; des Nachts entzünden sie Fackeln und fingen ihre Lieder, die Lieder des Menschen auf Erden: Lieder vom Leben und Tod«, vom Aufgang und Untergang, von Liebe und Hoffnung, und vor allem den starken und anfrichtenden Heldengesang zu Ehren der Freiheit -es Menschen, seines Geistes und Rörpers. Das Leben verehren sie, denn sie genießen sein« Pracht und keine verließe aus Stein und Eisen trennen sie von der herrlichen Welt; sie sehen den Blitz, wie er aufstammt, die Sonne, wie sie auf» und untergeht, sie forschen nach dem Lauf der Wolke und lernen das Gras kennen, wie cs wächst, und wenn sie den Willen in sich spüren, dem Südstnrm nachzueilen, so töten sie nicht diesen Wunsch in sich, sondern reiten ein wieherndes Pferd und streifen über die Wüste hin und wetteifern mit dem Rajen des Sturmes. Auch den Tod fürchten sie nicht, denn sie sehen auf jedem Schritt, daß der Tod nur ein Uebergang ist, ein Uebergang zu neuem Leben: Der Grashalm, der in der Sommersdürre verwelkt, geht nicht zugrunde; in der Regenzeit erhebt er sich wieder von seinem verfall und schlägt von neuem Wurzeln. Auf daß ihr lang« lebet, sagt« zu ihnen Ionadab ihr Vater. Nur ein solches Volk, das so lebt, ist imstande gewaltige Sänger und Propheten zu erzeugen, di« freilich ihr Dichten nicht in Erz schreiben zu ewigem Gedenken, denn ihr Lied ist das der sprudelnden iIuelle, der Nachtigall im Frühjahr, -es Sturmes in der Wüst« . . . Das Lied der übervollen Herzens — das fingt und weiß nicht, was cs singt . . Die Sonne stand schon im Westen. Die Reihe durchsichtiger Wolken hatte sich zu einem Halbkreis gebogen und glühte in den buntesten Farben. Dqs Gedland sank in tieferes Schweigen; das -Schweigen des Erschauerns und der Erwartung; als fei die Wüste von dem Traum ihres Rausches, den ihr der glühende Tag eingehaucht hatte, erwacht und such« nun nach seiner Deutung . . . )n weiter, weiter Feme, über der Sanddüne fliegt ein weißes vögletn und stößt an den glühenden Himmelsbaldachin ... Mosche Iosfi -fitzt angelehnt an das Felsstück, das einen blauen Schatten auf die Röte des Sandes wirst, und verfolgt mit verzehrender Sehnsucht den Flug des Vogels; es scheint, als wolle er mit ihm zusammen den Vorhang durchbrechen, um in das Allerinnerste zu dringen . . . Der Vogel verschwindet im Flammen-Wepen und Mosche Iosfi spricht zu mir mit leiser Trauer: