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Blau-Weiss-Blätter · 1917-05-01 · 1 (5.1917) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
1 (5.1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Süße ergießen sich. durch alle meine Glieder uni» ich werde immer. leichter »nd leichter . . . V- Als ich aufwacht«, begann He Lonne schon zu sinken. Eine, lange schmale Reihe leichter, durchsichtiger Wolken bedeckte einen Streifen am Himmel und lag unbeweglich da. Mosche Iossi lag auf dem Rücken und starrte in den Himmel. Als er mich wach sah, wandt» er sich zu mir und sprach: „hast du geschlafen? Und ich, ich kann nicht schlafen, wen«' sich solche Weiten um mich ausdehnen. Sobald ich die unermeßliche Steppe sehe, erwacht in meinein Herzen eine Leidenschaft, zu wandern ohne Aushör und Ende. Ich bin in solchen Stunden wie berauscht/ trunken vom Uebermaß der Freiheit, als wären mir plötzlich Flügel gewachsen. Zum ersten Male kam mir der Gedanke, die Rechabiter zu suchen, als ich in der Dämmerung im Tal Iesreel lag. Ich fühlte, wie eine Zauberkraft mich auf ihre Flügel hob, in unbekannte Fernen trug und mir einen neuen Himmel und eine neue Erde enthüllte, die ich nie geahnt hatte. Ist es dir einmal passiert, daß zwei voneinander völlig unabhängige Empfindungen zu gleicher Zeit in dein Herz dringen, ohne einander zu berühren, so daß du alle beide umfassest und sie bis. ins Tiefste auskostest? Damals, als ich in der Däintnernng im Tale Iesreel saß, herrschte Grabesstille ringsum; «nd durch die Stille drang zu mir über Berge und Meere das Rauschen: von Städten, die Tag und Nacht in Lärm versinken, wie vom Entsetzen gefaßt. Und zugleich vernahm mein Dhr aus verborgenen Fernen ein frisches, lebendiges Lied, das ein krastvoller, kühner Stamm sang, ein Stamm, der treu in der Ueberliefernng seiner Väter lebt und keine Häuser und Städte bewohnt, die ihn wie Fesseln einschnüren; ■ der nichts hat und alles hat ... Da verschmähte ich das Leben der Stadt und beschloß, die Rechabiter zu suchen ..." „Aber woher weißt du, daß die Rechabiter mit allen diesen Tugenden begabt find?" „hast du vergessen, was sie dem Propheten Iirmijahu zur Antwort gaben, als er ihnen Wein anbot? Wir trinken keinen Wein, denn Ionadab, Sohn Rechabs, unser Vater hat uns das Gebot auferlegt: Ihr sollt keinen Wein trinken, ihr und eure Nachkommen für immer. Auch sollt ihr kein Haus bauen und keine Saat aussäen und keinen Weinberg pflanzen und besitzen, sondern in Zelten wohnet stets, auf daß ihr lange lebet auf dem Boden, woselbst ihr weilet. Wir gehorchten der Stimm« Ionaüahs, Sohnes Rechabs, unseres. Stammvaters, in allem, was er uns geboten . . ." Malst d« dir r«.

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