Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Worte ertrinken in der Stille der Lichtflüt. Wir verstummen beide. Ich versinke in Gedanken: „Und es zogen die Kinder Israel durch die Wüste ' . . Wüste . . Wo habe ich das gelernt? Wann? Ja, das war in dem kleinen Städtchen, weit, weit von hier, an einem kalten Wintertag, während ein Schneesturm draußen heulte, wie «in hungriges Tier . . . Durch die Wüste . . . Wo ist er jetzt, der alt« Rabbi, üer vielleicht gar nicht einmal wußte, was eine Wüste ist? Und wie steht es jetzt mit dem Städtchen? Liegt es auch in diesem Augenblick in Schnee begraben? . .. . Aus meinem Gedenken schreckt mich das Läuten von Glocken auf. Grell» weiße Gewänder zittern in der Lust: eine Karawane zieht durch die Wüst«. Ein langer Strick verbindet die Kamele zu einer langen Kette, damit sie nicht auseinanderkommen. Auf dein vordersten Kamel sitzt «in alter Araber; sein Blick ist gesenkt, als blicke er auf den langen, dicken Knüppel» der auf seinen Knien liegt. Die übrigen Araber gehen neben den Kamelen her und bringen von Zeit zu Zeit di« Gelkrüge an dem Höcker in Grünung. Als letzter reitet auf einem Esel ein junger Mensch, mit einen« Karabiner bewaffnet. Seine langen Bein« baumeln an den Seiten des kleinen Esels herab und berühren den Boden. Mit einem holzpflock stößt er von Zeit zu Zeit de» Esel am halse, uitl ihn anzutreiben; zwischendurch gebraucht er den holzpflock für sich selbst, indem er seinen Kopf unter dem Turban kratzt. Nach einiger Zeit ist die Karawane verschwunden und wir find wieder allein im Sandmeer der Wüste. Der reine, tiefe Himmel badet in weißer Glut. Ringsum ein« müde, berauschende Still«. Eidechsen und Ehainäleone huschen über den Sand und wärmen sich an der Sonne. Meine Füße stolpern und mein Kopf ist schwindelig vor Müdigkeit und Hitze. Mosche Josfi greift plötzlich nach meiner Hand und, zeigt mit dem Finger: „Schau, dort drüben ist ein Steinhaufen, siehst du? Dort ist es schattig. Wolle«» wir dort ausruhen? Wir werden ja doch erst nach Sonnenuntergang zu den Beduinen gelangen. Ruhen wir ein wenigl Was kann das schaden?" Sein Vorschlag findet meinen vollen Beifall. Mitten auf der weißleuchtenden Fläche vor uns erhebt sich schwärz ein großer Trümmerhaufen. Kleine weiße Streifen u»««geb«n ihn «vie Wächter. Zwischen zwei großen Steinen, die eina«rder berühren wie die Seiten eines aukgeschlagenen, aufrechtgestellten Buches werfe ich mich kraftlos in den Sand und schlürfe durstig die Kühle des Schattens. Nur noch mein« Fußsohlen find jetzt im Bereich der Sonne und brühen im