Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1917-05-01 · 1 (5.1917) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
1 (5.1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425321-3181713-3181714--0777-3182568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Land. Mosche Jossi blickt sehnsüchtig zum Horizont und spricht mit trauriger Stimm«: „Wenn ich einen Begleiter finden könnte, so wie ich ihn wünsche, dann würde ich nochmals ausziehen, die Rechabiter zu suchen . . . Aber es gibt keitte mutigen und glaubensstarken jungen Juden mehr» Es gibt keine mehr. . ." Die Rechabiter — das ist eine fixe Idee von ihm. Er glaubt 'fest, daß sie vorhanden sind und empfindet für sie eine besondere Schwärmerei. Bei seinen zahlreichen Wanderungen durch ganz Erez- Israel ist er bis zu den entferntesten Vrten gelangt, aber sein Ziel, den Wohnort der Rechabiter, hat er noch nicht erreicht. Um diese seine Forschungsreise hat sich bereits unter den Aolonistsn ein Lagenkreis gebildet und die Spaßvögel erzählen. Mosche Jossi habe schon lange eine eigene Besitzung sowie auch eine Frau im Lande der Rechabiter. Nicht umsonst habe ec es ja abgelehnt, in Galiläa oder Judäa eine Besitzung zu erwerben, trotzdem man es ihn» schon mehrfach angeboten hat! Nicht umsonst wolle er nicht heiraten, obwohl man ihm schon außerordentlich gute Partien vorgeschlagen hat! Dieser Mosche Jossi ist jetzt schon bald siebenunddreißig Jahre alt und alle seine Bekannten sind schon daran verzweifelt, daß noch etwas aus ihm werden könnte. Er ist in einer kleinen russischen Stadt geboren und sein Vater, der Schächter, hoffte, aus ihm würde einst ein Rabbi und ein Großes in Israel werden. Aber im Alter von siebzehn Jahren ist er auf Abwege geraten und ein Aetzcr geworden. Als er Soldat werden sollte, floh er nach Erez-Iisrael und wurde Arbeiter in den neueren obergaliläischen Kolonien. Bei seiner Arbeit zeigte er in der ersten Zeit viel Fleiß, dann wurde er lässig und verließ sie häufig, um seine weiten Wanderungen zu unternehmen. Seit damals hat sich sein Aussehen fast garnicht verändert. Man behauptet, daß Mosche Jossi, den wir heute vor uns haben, derselbe wie der vor fünfzehn Jahren ist. „Eine Zigeunerseele steckt in diesem Menschen" — spricht man von ihm mit bedauerndem Aopfschüttekn — „schade! Nicht viele seinesgleichen gibt es unter uns! Solch gebildete und vielwiffende Leut« gibt es nur wenige in unserer Zeit . . Aber «in Fluch Gottes verfolgt ihn, er kann nicht an einem Ort anshalten. Er ist verrückt! ..." : Schläfrig und müde gibt sich die unfruchtbare Wüste den Liebkosungen der Sonnenglut hin. Aus uralter Gewohnheit sangt sie an ihnen ohne Hoffnung, von ihnen befruchtet zu werden . . . Wohin .das, Auge nur schweift, überall weiße Feuerflächen, glatt ausgebreitet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.