Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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nächsten Jahr wieder Früchte tragt, und so wiederholt es fich. Die Beeren find hier größer als Ln unserer Gegend. Man findet hier aber wedergKirschen noch HaselnüAe, noch Kastanien. Alle Lebensmittel, als Fleisch, wein, Oliven und. Sumsumöl find hier sehr billig zu haben. Vas Land ist heute noch vortrefflich, aber es ist nicht möglich, einen Erwerbszweig durch irgend eine Wissenschaft oder Kunst fich zu gründen, wenn man nicht Schuster, Weber oder Goldarbeiter ist; selbst diese erwerben ihre Nahrungsmittel mit vieler Not. Man findet in Jerusalem immer verschiedene Nationalitäten, aus den christlichen Landern, aus Babylonien »nd Abeffynien. Die Araber kommen häufig nach dem Tempel, um hier ihr Gebet zu verrichten; fie halten diesen Ort in großen Ehren. Auf den Tempelplatz darf kein Jude kommen; wenn die Araber manchmal Drechsler und Goldarbeiter, um dort zu arbeiten, einlaffen wollen, so will keiner hineingehen, da wir alle mit Unreinheit behaftet find. Ich weiß nicht, ob die Araber ins Allerheiligste kommen oder nicht. Ich habe mich auch nach dem Grundsteine erkundigt, wo die Bundeslade aufgestellt war, und man bat mir gesagt, daß er fich unter einer hohen und schönen Kuppel, die die Araber auf dem Tempelplatze gebaut hatten, befindet. Er ist in diesem Gebäude eingeschloffen und niemand darf hineinkommen. Auf dem Temxelplatze ist großer Reichtum vorhanden, denn wie man hört, haben die Monarchen da immer Zimmer mit Gold belegt aufführen laffen, und der jetzt regierende König soll ein Gebäude, mit Edelsteinen und Gold prachtvoll geziert, so wie es noch nie gebaut wurde, errichtet haben. Der Tempelplatz hat heute noch 12 Tore; diejenigen, die man die Tore der Gnade nennt, find eisern und zwei an der Zahl, gegen Osten des Tempels und immer geschloffen. Man steht dieselben nur zur Hälfte über den Boden hervorragen, die andere Hälfte ist. in der Erde versenkt. Die Araber Haben es mehrmals. wie man erzählt, versucht, dieselben herauszuheben, aber fie waren es nicht imstande zu tun. Die wepmauer, wovon ein Teil noch heute steht, ist aus großen und dicken Steinen, wie ich deren noch nie bei einem alten Gebäude weder in Rom noch in ' andern Landern, gesehen habe, zusammengesetzt. An der nordöstlichen Ecke derselben gibt es ein Grundgebäude von sehr großen Steinen, ich ging da hinein und fand ein großes Gebäude auf dicken und hohen Säulen gestützt; der Säulen find so viele, daß ich müde wurde, bis zu Ende dieses Gebäudes zu gehen. Alles ist da angefüllt mit Erde, die man von den Ruinen des Tempels hingeworfen hat; das Temxelgebäude steht' auf diesen Säulen, und in jeder derselben befindet fich ein Loch, wo man ein Seil durchziehen kann. Man sagt, daß da die Stiere und Widder, die geopfert werden sollten, angebunden waren. Ueberhaupt findet man in der ganzen Umgegend Jerusalems, in Feldern wie auch in Weinbergen, viele große in einander laufende Höhlen. Die Siloah-Waffer stießen unterirdisch im Tale Josaphat; es ist eigentlich kein Strom, sondern fast eine Ouelle, die jeden Morgen bis Mittag ungefähr anschwillt, dann abnimmt und unterirdisch unter dem Berge nach einem nahen Orte, wo sich jetzt eine Ruine befindet, stießt; man sagt, daß dieses Gebäude von Salomo als Münzgebäude erbaut wurde, jetzt wird es zur Gerberei benutzt. Das Tal Josaphat ist klein und zieht fich zwischen dem Tempel und dem Oelberge entlang;, am Fuße des Abhanges des Tempelberges find die jüdischen Gräber; die neuen find am Fuße des Oelberges. das Tal zieht fich zwischen beiden Grabplätzen hin.