Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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alle Einwohner der arabischen Länder mehr der Gottesfurcht sich Hinneigen, als die in unserer Gegend; man findet weder einen Juden noch einen Araber hier, der für die Ketzerei oder irgend einen fatschen Glauben einen Hang hätte; Niemand beschäftigt sich mit der Philosophie und den Ideen, welchen Aristoteles und fein Anhänger — der Name der Frevler verwese — huldigen. In Kairo war wohl einer ansdem Abend lande, der giftige Samen der Philosophie unter die Einwohner streuen wollte, der jüdische Fürst hat ihn aber davongejagt. Man findet heute keinen der Araber, der gegen die Gottheit Flüche oder sonst unan^ ständige Reden ausstoßen würde, wie dies der Fall bei den Lhristen ist. Wäre die Gottesfurcht nicht so vorherrschend bei den Arabern, so konnte man unmöglich unter ihnen wohnen, denn ihre Staatsverwaltung ist garnicht ausgebildet, es herrscht hier die größte Unordnung, und Furcht vor der Regierung kennen sie garnicht. Die Rechtssprüche sind nicht klar, und sie können einen Prozeß deuten, wie sie wollen. Ls hat sich hier in Jerusalem zugetragen, daß ein Araber seine Mutter geradezu wie ein Lamm abgeschlachtet; als nun die Sache vor die Richter kam. fo schützt er feine Betrunkenheit vor. und die Schuld wurde dann den Juden und den Christen, die nur einzig und allein wein gebrauchen, zur Last gelegt; von den Juden mußte jeder sechs und von den Lhristen jeder zwölf Goldstücke erlegen, und der Araber wurde freigesprochen; dergleichen Fälle gibt es unzählige, die sich nicht niederschreiben lassen. Falsche Zeugen findet man hier mit Leichtigkeit unter alle» Nationalitäten, denn den Landesgesetzen gemäß werden diese nicht strenge verhört, viel weniger vereidigt, sondern das Urteil wird auf ihre Aussage sogleich gefällt; wenn in den christlichen Landern solche Einrichtungen wären, so würde einer den anderen verschlingen. Jerusalem, trotzdem es zerstört wurde, hat vier sehr schöne lange Marktplätze, so wie ich dergleichen noch nicht gesehen habe; sie befinden sich am Fuße des Zion. Alle sind mit kuppelarligen Dächern versehen, und man findet hier allerlei waren; sie find nämlich in verschiedene Abteilungen geteilt, als der Waren-, der Gewürz-, der Gemüse-Markt und der, wo andere Gerichte und Brot verkauft werden. Als ich nach Jerusalem kam, war eine schreckliche Hungersnot im Lande; ein nicht zu starker Mann konnte zu jeder Mahlzeit Brot um eine Drachme, welches nach unserem Gelde einen Bolognino alten Geldes in Silber macht, verzehren, und war dabei nicht sehr satt; man sagt mir, daß die Hungersnot im Verhältnisse zum Anfänge des Jahres nicht mehr so stark ist. viele der Juden sind Hungers gestorben, nachdem man sie ein bis zwei Tage vorher Brot verlangen sah und Niemand es ihnen geben konnte; man fand die Leute tot in ihren. Häusern und viele nährten sich von Grasern, wobei sie wie die Hirsche ausgingen, um Weide zu suchen. Es ist jetzt nur ein einziger aschkenasifcher Rabbi vorhanden, der in Jerusalem in Demut und Gottesfurcht erzogen wurde; ich habe seinesgleichen nicht gesehen. Er webt Tag und Nacht, wenn er zu studieren aufhörl, und durch sechs Monate hindurch hat er von Sabbath zu Sabbath kein Brot gekostet; seine Nahrung bestand aus rohen Rüben und den Abfällen des vom Zucker befreiten Johannisbrotes, dessen es hier eine Unzahl gibt. . * . . Jetzt, wo die weizenernte vorüber ist, ist die Hungersnot zu Ende, die Fülle ist wieder Gottlob vorhanden; ich habe hier in Jerusalem verschiedenartige Früchte gesehen, die man in unserer Gegend nicht findet. Ls gibt einen Baum hier, dessen Blätter länglich find und mehr als mannshoch ist und nur einmal Früchte trägt. Sodann verdorrt er, und an seinen wurzeln entsteht ein anderer-ähnlicher, der im