Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 1 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Us ZN dm Toren Jerusalems und am {3. Niffan 52^8 am Mittag standen unsere Füße in den Toren Jerusalems. Da kam uns ein Aschkenasi, der in Italien erzogen wurde, Rabbi Kopmann, entgegen,'brachte mich in sein Haus, und ich blieb sein Gast den ganzen peffach. Jerusalem ist meistens wüst und zerstört; ich brauche nicht zu erwähnen, daß es von keiner Mauer umgeben ist. Die Zahl der Einwohner, wie man mir sagt, soll 4000 Einwohner sein, was Juden betrifft, so sind von der ärmsten Klaffe ungefähr 70 Familien Übrig geblieben, es gibt beinahe keine Familie, der nicht das Notwendigste mangeln würde; wer Brot für ein Jahr hat, wird reich genannt. Ls sind jetzt viele alte verlaffene Witwen aus Äschkenas und Sephard und vielen anderen Landern vorhanden, fodaß 7 Frauen auf einen Mann kommen. Das Land ist jetzt ruhiger und glücklicher, denn die Alten find Ln sich gegangen, da sie eingesehen, daß die Vermögenderen ausgewandert sind und nur der ärmere Teil geblieben ist; sie find daher sehr höflich gegen jeden Neuankommenden; sie entschuldigen sich sehr über das Geschehene und versicherten, daß sie Niemandem, der sich nicht über sie erheben wollte, etwas zu Leid täten *). Was mich betrifft, kann ich bis heute nicht über sie klagen; im Gegenteil, sie haben mir nur viel Gutes getan und sind rechtlich mit mir umgegangen, wofür ich Gott jeden Tag preise. Die Juden haben gar keine Bedrückung von den Arabern in diesen Ländern auszustehen; ich bin in diesem Lande nach der Länge und Breite gereist und Niemand von ihnen hat mir etwas in den weg gelegt. Sie find sehr gefällig gegen Fremde und besonders gegen den, der die Sprache nicht kennt; wenn sie mehrere Juden beisammen sehen, sind sie durchaus nicht mißmutig. Meiner Ansicht nach könnte ein Mann,der die Staatsverwaltung verstünde, sich leicht zum Oberhaupt der Juden sowohl wie der Araber machen; denn unter allen Juden hier gibt es keinen klugen und Verständigen Mann, der mit Leuten umzugehen verstände. Alle sind wild, Haffen die Menschheit und sind nur auf ihren Gewinn bedacht. Auch vortreffliche Einrichtungen findet man da; die täglichen Gebete, die dem Gotte Israel wohlgefällig fein muffen, fand ich in Jerusalem, so wie ich es jetzt noch nirgends gesehen habe; die Juden da stehen selbst am Sabbath ein oder zwei Stunden vor Tage und rezitieren Psalmen und andere Lobgesänge, bis der Tag anbricht. Dann sagt man das Kaddischgebet: zwei Ehasanim. die dahier 4ngestellt sind, rezitieren dann den Segensspruch über die Thora, das Kapitel über die Opfer, und alle folgenden Lobgesänge, mit einer anständigen Melodie, sodaß das Schema mit dem Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen gelesen wird. Die Kohanim verrichten das Duchan jeden Tag, sowohl an Wochentagen als am Sabbath -in jedem Gebete, mo deren Legensformel vorkornmt; zu Schachrith und Mincha werden Lelichoth samt den \5 Eigenschaften Gottes mit großer Andacht gesagt; und es ist kein Unterschied zwischen Montag, Donnerstag und den anderen Tagen, als daß an den ersteren in der Thora gelesen wird. Man findet heute in Jerusalem keinen, der Unzucht triebe, oder falsch schwüre; sie find sehr behutsam gegen die Sünden, mit denen man sich nur gegen die Gottheit vergeht; selbst die alten Frevler beachten es sehr, bas Gebet zu verrichten und vermeiden die Sünden gegen die Gottheit. Ich sehe überhaupt, daß Bezieht sich auf häßliche Streitigkeiten zwischen den Einheimischen und eingewanderten deutschen Juden. 17