Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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hasten, charaktervollen Tier über die Heide und durch den Wald zu sprengen, bedeutet für mich den Inbegriff aller irdischen Wonnen, wie bescheiden hatte mich -er Krieg gemacht! Ganz glücklich war ich, nun einige Tage mit einem Ackergaul Feldarbeit tun zu dürfen; denn Pferd bleibt Pferd, sei es noch so plump und struppig, es steht immer noch einige Grade höher als das Rindvieh. Mindestens zehnmal riefen mir Leute nach: „Ihr seid aber tüchtig, daß Ihr's schon bis zum Pferd gebracht habt!" und ich ließ dann meinen wackeren „Qans" auch sehr be^ wundern. Mein Weg führte über den Exerzierplatz, und hier stellte sich mir das erste Hindernis entgegen in Gestalt eines Wachtpostens. Doch ich sagte ihm, er solle mich nur durchlassen, damit ich das Feld bestellen konnte, andernfalls wäre er mib schuld daran, wenn der englische Anshungerungsplan gelänge. Diese Verantwortung wolle er nicht übernehmen, meinte er lachend; aber dann wandte er ein, ich sei überhaupt kein Rauer, meine Sprache verriete mich, und er könne nicht glauben, daß ich wirklich Feldarbeit täte, bis ich ihn; meine ölgetränkten, schweren. Nagelschuhe zeigte, in denen ich doch gewiß nicht zum Scherz spazieren ginge. Da bracher in den Ruf aus: „Dunnerknippchen, was Stiebel, wahrhaftig die überzeugen, mich! Sie haben sich also gewissermaßen bei den Bauen» für die Kriegsdauer verdingt/ fuhr er fort, „und tun es aus Vaterlandsliebe." „Wenn Sie es fo* nennen wollen — ja", antwortete ich. Da machte er mir eine militärische Ehre,», bezeugung und gab mir den weg frei. Ls war wirklich gut, daß ich ein gut Teil Tatendrang in mir spürte; denn hier wurde ich auf eine harte Probe gestellt. Das Stück fuhr sich so „Untugend", wie ein aller Bauer sagte, wie nur möglich. Der arme Gaul halte sehr schwer zu ziehen. Um die Arbeit zu bewältigen, nahm er seine ganze Kraft in einem mächtigen Anlauf zusammen und stürmte vorwärts. Ich mußte im Laufschritt hinterdreinspringen Der Pflug stieß hin und her» dieverpetzten Schollen flogen in die Furche, so daß ich bald nach links, bald nach rechte Sätze machen mußte. Ich dachte: In diesem Tempo wird das Tier gewiß nicht lange rasen. Da blieb es auch schon stehen mit einem Ruck, daß ich fast vornüber flog. Ls stand ganz außer Atem und keuchte. Dann nahm es wieder einen heftigen Anlauf, um bald nochmals mit einem Stoß anzuhalten, vergeblich suchte ich das Pferd durch beruhigende Zurufe zu langsamerer Gangart zu veranlassen es stürmte mit der gleichen hast weiter. Immer häufiger wurde es müde, so daß es zuletzt alle zehn Schritte stehen blieb und keuchte. Bald war es naß und dampfte; mir war es auch nicht kalt. Ein par dienstfreie Soldaten kamen vom Exerzierplatz und sahen zu. Einer meinte etwas großartig: „Na ja, man fieht's daß Ihr noch nicht viel gepflügt habt; das Ding ist ja ein Kinderspiel. Allerdings, der Gaul ist zu hastig und geht ungleichmäßig, aber trotzdem . . Ich schlug, ihm vor, die nächste Kehre zu fahren, falls er Zeit habe, während ich Atem, holte. „Nit größtem Vergnügen!" sagte er und ergriff den Pflug. Hans zog an: „Hetrjeh, herrsch, wat en kollerig perd, langsam, langsam, lang—saaaml" brüllte er, währender rasende Sprünge machte. Da stand der Gaul wieder mit einem Ruck. „Nein, du sollst nicht stehen bleiben, du sollst nur langsam gehen — also weiter!" Abev mein guter Hans nahm sich alle Zeit zunr verschnaufen. Als er wieder Luft hatte, kam der nächste Anlauf. „Du dummes Tier", konnte der Soldat noch schreien, ba flog ihm ein Erdenkloß an den Fuß, daß er taumelte. Der Pflug entfuhr seinen, fänden, und Hans, der sofort den verringerten widerstand spürte, rannte um so rascher weiter. „Na, nu lauf doch wenigstens nicht ohne mich fort!" Die andern. m