Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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So sollt ihr natürlich nicht zeichnen. Die Natur ist zu gewaltig,, um sie zu gekringelten Bildchen zu verarbeiten, und ich sage.nochmal: Es ist bester, nichts technisch zu können, plump zn zeichnen, aber mit einer heißen Liebe und einem großen Willen an die Dinge heranzngehen, als das Leben, das Schone in der Natur, totzuschlagen, um es in eine gemachte, starre, nie entwicklungsfähige Form zu pressen. Ich wende mich nicht nur an die, die können. Ich wende mich an alle, die noch nie einen Strich gezeichnet haben. Laßt die falsche Scham vor dem ersten Mißlingen. Wenn ihr die Liebe habt zu den Dingen, fangt an! Und es sind auch viel unter euch, die können oder doch könnten. Und auch an die wende ich mich. Laßt das Schielen nach den geleckten Wandervogelzeichnungen. (Die Zeichnungen des Bl.-W. Tagebuchs waren ein schönes Beispiel, wie weit die Verirrung darin gehen kann.) Laßt die tote Manier, die Kringel, die Wolkenbetten, kommt zu den Dillgen ehrfürchtig, sucht einen Funken der Melodie, des Klanges zu erfassen, der in ihrem quellenden Leben ist, seid nicht Fertige, fangt immer wieder von neuem an als Suchende, und die Erde wird ihre Wunder anstnn und fchönev werden für euch mit jedem Tag. Berlin Jaakow Goldbaum Frühjahrsbestellung *) Gern hatte ich Frau Dietrich beim Abschied versprochen, im Frühling wiederzukommen, wenn dann noch Krieg sei. Denn auch ganz abgesehen von dem frohen Bewußtsein, mich hier tatsächlich nützlich machen zu können, freute ich mich darauf, einmal die Naturvorgänge eines ganzen Jahres und ihre Beziehungen zur Landwirtschaft zu beobachten. Bis jetzt hatte ich nur immer die Ernte erlebt, noch nie das Entstehen und die Entwicklung. Verschiedentlich war ich im Winter hinausgegangen, um nach dem Stand der Laoten zu schauen. Ich ließ mich denn mtdf nicht lange von dem ersten warmen Sonnenschein nötigen. Als aber gar die vöglein anhuben mit ihrem lustigen Gezwitscher, war mir bald die ganze Stadt zu eng. Noch blühten und dufteten die Veilchen nicht, aber mit Wonne sog ich den würzigen Erdgeruch ein, der der dampfenden Scholle entströmt. Ja, jetzt begriff ich, was es für ein Ding ist um die Scholle, die der deutsche Landmann so liebt. Der Boden, den ich bestellte, war ja nicht mein und doch — war er ein Stück meiner geliebten Heimat, unseres deutschen Vaterlandes, das fie uns nicht lassen wollen? Der Bauer, der sonst diesen Pflug führte, trug jetzt die blanken Waffen, um das Reich nach außen hin zu schützen gegen die frechen Räuber; da mochte das deutsche Mädchen den friedlichen Stahl ergreifen, um den Feind im Innern niederzuzwingen. Dumpf dröhnte in der Ferne der Geschützdonner von der Westfront, knirschend durchschallt mein Pflug das Land, und fein Rauschen klang mir wie liebliche Musik in den Ohren. Zunächst mußten die Haferfelder eingesät werden. Und da die eine Ruh erst kürzlich Mutter eines munteren Kälbchens geworden war, hatten wir uns, um sie zu schonen, einen Gaul geliehen. . Ich war von jeher ein leidenschaftlicher pferdefreund, und auf einem leb«- *) Den Artikel „Frühjahrsbestellung" haben wir dem Heftchen „Hinterm Pflug zur Kriegszeit, Erlebnisse eines Stadtkindes" (herausgegeben vom Vaterländischen Frauenverein für Trier-Stadt und -Land,Verlag Braune'sche tzofbuchhandlung, Karlsruhe, Preis l,5o M.) entnommen. Y*0