Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Lernens, nicht um der Wissenschaft willen, sondern zu gesteigertem Genuß- Ich weiß nicht, mein Junge, wohin Du in diesem Jahre den Wanderschritt lenken wirst/ aber den AteinhaMiner, hoffe ich, wirst Du nicht zu Hause lassen. Mit herzlichem Schalom Dein M - s e s <L a l v a r y Vsm Zeichnen auf der Ferhrt Dom Zeichnen auf der Fahrt will ich sprechen. Ich sehe schon, wie ihr achselzuckt» gar nicht erst welterlest und denkt; „Aber das geht mich ja nichts an, ich kann ja nicht zeichnen." Jawohl, das geht dich genau so an, lieber Gefährte oder Gefährtin» wie die, die von ihren Zeichenlehrern und Tanten für Talente gehalten werden. Zuerst müssen wir einmal konstatieren, daß bei uns so gut wie gar nicht aus Fahrt gezeichnet wird. Muß ich euch nun erzählen, weshalb man auf Fahrt zeichnen soll? Ich glaube» das wißt ihr alle und findet es auch wunderschön, wenn ihr es nur könntet. Und dabei kommt es auf das „Können* gar nicht an, denn von vornherein können kann natürlich keiner. Das, was nötig ist, find offene Augen und Liebe zu den Dingen, «nd das habt ihr doch alle oder wollt es immer mehr haben. Nun, dazu kann euch das Zeichne» auf der Fahrt wohl verhelfe». Eine Landschaft schön zu finden, dazu gehört nicht viel. Aber wieviel unter euch haben schon einmal so recht mitempfundc» mit den Dingen, mit dem Rhythmus eine- Baumes, dem auf und ab schwellenden Klang sanfter Hügel, den Sonnenstrahlen, die sich schräg an vorüberziehendcn Wolke» brechen und wundersame Lichter auf das Land werfen? Wer hat all das gesehen und nicht da? Gefühl gehabt: Könnt ich doch daL nachschaffen! Aber ihr hattet Furcht vor dem Anfängen, vor dem Scheitern. Was euch fehlt, ist die technische Gewandtheit Der Stift wird plump in eurer Hand sein und euch nicht folgen. Laßt nuri Das schadet nichts. Die technische Gcwandheit stellt fich nur mit der Zeit ein. Wenn ihr aber die Dinge seht und liebt, so wird auch in der plumpesten Zeichnung ein Funke sein, von dem, was ihr erkannt, und das ist besser und wertvoller als eine gewandte, glatte Zeichnung in einer Manier, die fertig mit den Dingen ist, bevor sie fie noch ganz erfaßt und gefühlt. Ja, vor etwas warne ich euch, die ihr anfangt und die ihr schon etwas könnt: Hütet euch vor der Manier! Seht euch die Zeichnungen der Wandervögel an. Daß fie zeichnen und Wert darauf legen, daß bei ihnen auf Fahrten viel gezeichnet wird, ist lobenswert. Aber wie sie es machen, soll man es nicht tun. Sie haben da ihre Manier. Das heißt, wenn sie tinrn Baum zeichnen, bekommt die Rinde bestimmte Kringel, die Blätter werden zu regelmaßgen Schnörkeln, die Wolken werden dicke Haufen von Betten. Sie haben für alle Dinge ihr Schubfach, wo sie hineingreifen und hie von vornherein bestimmte Form für die Dinge herausnehmen. Dadurch bekommt das Ganze etwas Glattes, SaubettS, den Laien Bestrickendes, und außerdem ist Kringel machen gar nicht so schwer, wie e» vielleicht aussieht, man muß bloß Ausdauer haben! Nach einiger Ucdung ist mau bald drin in der Art und kann Bildchen auf Bildchen produzieren. .. . t«r