Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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tut, — wie die Kräfte des Lebens bald langsam, bald stürmisch am Aufbau unserer Erde gearbeitet haben, wie durch Wind und Wasser, durch Feuer und Druck, in Spannung und Entladung allmählich die- Oberfläche, durch die wir wandern, gebildet wurde, wie Zeugnisse dieser Tätigkeit von Hahrmillionen uns rings umgeben: das alles ergibt ein großartiges, immer wieder fortreißendes Weltbild. Aber das ist doch schließlich eine Schönheit gedanklicher Natur. Sie kann uns wohl als ein Ziel vorleuchten, wenn wir anfangen, uns mit den Steinen zu beschäftigen, aber was diese uns geben, ist dann doch wieder etwas anderes. Auch davon will ich nicht sprechen, wie im geologischen Wandern unsere Beobachtungsgabe geschärft wird. Denn als Führerin zur Beobachtung ist die Geologie doch nur sin Glied neben vielen anderen, der Botanik, der Zoologie, dem weiten Reich der Naturwissenschaft. Die Geologie aber kann uns, ich möchte sagen zu einem neuen Sinne verhelfen. Die meisten sehen iin Gebirge nur die Oberfläche. Sie erleben die Schönheit einer Linie, den Zauber der Farbe, die Bewegtheit des Raumes, haben wir uns aber gewöhnt, auf das Gestein zu ächten, so offenbart es unserm Auge ganz neue Zusammenhänge. Die Art des Erdbodens, die Gebirgsformen, die Pflanzenwelt, — das alles ist ja abhängig von der inneren Zusammensetzung des Gesteines. Wer sich im harz von den Seiten aus dem Massiv des Brockens nähert, vom Schichtgestein in den Granit kommt, der fühlt auch, wenn er nichts von den Gesteinen weiß, daß eine andere Welt sich ihm auftut; hat er aber ein bischen Steine geklopft, so sieht er mit seinen Augen die Struktur des Gebirges sich ändern. Oder wer im Vdenwald vom Katzenbuckel zum Neckar herabsteigt, — dort die großartige Zerklüftung des Granits, hier die gleichmäßige, horizontale, ruhige Begrenzung des Buntsandsteins. Und wer sich in Nordgaliläa in dem tiefeingerissenen hasbani erfrischt, dem tritt gleichsam der Organismus, die innere Struktur dieser Landschaft lebendig vor Augen, wenn er das Flußbett als Kalkader, wahrnimmt, die hier unter dem Basaltboden sich offenbart. Es ist, als wenn ein bildender Künstler vorher nur die haut des Menschen kannte, nun aber steht er, wie diese haut, getragen ist^von dem Knochengerüst und von ihm und den Muskeln Form und Spannung erhält. Man steht die Berge von nun an anders, mit einem nicht eigentlich geschärften, sondern veränderten Blick, der den Sinn der Formen unserm Auge erschließt. Und dieses anschauliche, lebendige, in den Grund der Welt hineinblickende Sehen», das ist es doch, was wir im Wandern lernen wollen. Nicht um des