Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fortschritte einer sogenannten „Wandererentwicklung" so rasch nnd deutlich sehen können, wie gerade Lei diesem Burschen, der damals wohl seine 10. Fahrt machte. Er sagte so im Gespräch damals, anrühren könne er das „Viechszeug" nicht, so von ganz weit sei alles sehr hübsch. Wir waren rückwärts, da schauten plötzlich die Burschen vor uns auf den Boden und winkten uns, näher zu laufen. ES war eine Blindschleiche, welche sich mit ihrem bronzenen Leib durch Gras und Laub schlängelte. Ich merkte cS den Buben an, daß sie meinem ängstlich von Weitem zuschauenden Freunde etwas antnn wollten; darauf durfte ich es natürlich nicht ankommen lassen, das hatte mir alles verderben können. Ich nahm das Tier auf und zeigte es dem langsam Herankommenden; er bettachtete es, und zum Schluß nahm er es sogar ruhig Ln die Hand. ~ Sein Lächeln, das Lächeln eines Kindes, welches etwas Neues gesehen und gelernt hat, brachte mir so viel Vergeltung und zeigte so viel Dankbarkeit, daß auch ich an diesem Abende froher noch als sonst auf den Tag zurück blicken konnte. Kein Spott, kein Lachen für die ängstlichen Menscheil, die einen Wurm« fürchten und ihn zertteten vor lauter Furcht, sondern ruhig ihnen die Augen öffnen, ihnen -eigen wie sich in der Natur ein Ring an den anderen reiht und das Ganze, sich vorwärtsbewegt nnd lebt. Sehen nnd sehen lehren. Teplitz-Schönau Willy Freund Vom Steineklopfen Mein lieber Martin, weißt Du noch, wie wir im vorigen Jahre an einem sonnendurch» glühten Nachmittag den steilen hang hinaufkletterten, um die ver« schiedenen Schichten des Gdenwaldsandsteines kennen zu lernen? Mir fanden manch« schönen Stücke, und hoch oben, wohl hundert Meter über dem Neckar, ward unser Eifer noch besonders belohnt: tiefschwarze Brombeeren, der Südsonne ausgesetzt, schienen eigens für uns gereist zu fein, und im Essen und Steineklopfen verspäteten wir uns so sehr, daß wir erst im Dunkes die Burgruine erreichten, in der wir dann nächtigten. Warum ich heute daran denke? Draußen weht der erste Früh« lingswind, man beginnt sich leise auf den Sommer zu freuen, und Erinnerungen an alte Fahrten tauchen auf. Du weißt ja, ich bin kein Geologe, kaum daß ich mich einen geologischen Dilettanten heißen darf, ich bin nichts als ein Lernender. Aber ich habe nie recht begriffen, warum so manche von Euch auf Pflanzen und Tiere ihr Augenmerk richten und kaum einer unter hunderten Lnst^hat, sich in die Welt der Gesteine zu vertiefen. Ja, wenn man mal zufällig «in schönes Stück Marmor oder Bergkristall, eine schimmernde Druse findet, dann nimmt (65.