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Blau-Weiss-Blätter · 1917-04-01 · 6 (4.1917) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
6 (4.1917)
Date
1917-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Liebesblume nennt man sie, und ich hörte viele Geschichten, in denen sie eine Rolle spielt. Sie zeigten mir die Aräuter, aus denen sie heilende und wohlschmeckende Getränke bereiten, Pflanzen, die sie auf Wunden, legen, und die sie ins Wasser werfen, wenn sie ein Bad gegen di« leidige Gicht nehmen wollen. Eine Hökerin, mit der ich einmal quer über Wiesen demselben Ziele zustrebte, lehrte mich, genießbare Wurzeln erkennen. Schwarzwurzeln aß ich dort zum ersten Wale. Auch ungekocht haben sie prächtig geschmeckt. Aber auch manches von dein Bau der Pflanzen und von ihrenr Leben konnte ich so, ohne Lehrbücher, begreifen. Vieles verdanke ich Erzählungen von Bauern, die ich sprach, wenn ich auf vieltägigen Sommerfahrten, nachdem der Rastort gefunden war, noch einmal auf die Felder ging. Wenn ich dann nach Hause kam, nahm ich mir wohl auch ein Buch vor, um noch tiefer in das Geheimnis des Pflanzenlebens einzudringen. Vor allem las ich in dem herrlichen Buche von Prof. Ferd. «Lohn: „Die Pflanze" von den Geheimnissen des Waldes, von dem Leben der Rose, von den Gewächsen am Meeresstrande. Auf das fast spielende Eindringen in die Geheimniffe vieler Blumen, auf das Suchen nach Erkenntnis allgemeiner botanischer Probleme folgte das Studium einzelner Pflanzen. Darum ging ich in den botanischen Schulgarten — ähnliche Institute gibt es ja in jeder größeren Stadt. — hier fand ich die Pflanzen, die ich zum großen Teile bereits kannte, wieder, eingeordnet in die Familien, zu denen sie gehören, jede mit einem Schild versehen, damit man sich ihren Nanien auch einprägt und nicht vergißt. Auf einer Fahrt durch die Sächsische Schweiz habe ich einmal mit einem anderen Blau-Weißen in Dresden im Botanischen Garten von früh um 6 Uhr an mehrere Stunden in der Abteilung für dort kultivierte Freilandpflanzen zugebracht. Wenn ich wieder ei,ne Tagesfahrt machte, so nahm ich mir — o, welch «in Philister — sogar manchmal ein richtiges botanisches Lehrbuch und ein Besteck mit, um die Pflanzen genau nach den Angabe» des Buches zu zerschneiden und auch in ihr Inneres hineinzusehen. Beobachtungen im Mikroskop lehrten mich vieles. So habe ich es gelernt, und es hat sich der Mühe verlohnt. Breslau Martin N othmann

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