Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Was uns fehlt Der Aufsatz, den ich vor dem Uriege unter diesem Titel für die Blau-Weiß-Blätter schrieb, hat meines Trachtens auch jetzt noch seine Berechtigung. Denn die Forderungen, die ich damals aufstellte, find heut noch nicht erfüllt, manche von ihnen nicht einmal der Erfüllung näher gebracht. Noch immer ist's in vielen Bünden oder innerhalb der Bünde in manchen Zügen und Gruppen mit unserem Singen nicht weit her, und ich möchte vorschlagen, wo es möglich ist, Thöre zu bilden, denen nur Musikalische beitreten dürfen. Noch immer wird wenig und schlecht fotografiert, noch immer ist das Skizzenbuch ein seltener Begleiter unserer Fahrten. Das Schlimmste ist, daß die meisten Aufnahmen, die ich sah, gestellt sind, und daß viele Zeichnungen nicht aus Mangel an Begabung, sondern aus Mangel an Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Beobachtungslust unbrauchbar find. Nicht anders ist's mit den Fahrtenberichten und Aufsätzen für die .Zeitung. Schreibt schon einmal ein Wanderer, was selten genug verkommt, so fehlt häufig jede Schlichtheit und Anschaulichkeit. All diese Mängel entspringen demselben Grundübel, an dem auch unsere Fahrten kranken. Erinnert ihr euch meines Streites mit s)aul Baumert? Er tat uns unrecht, wenn er uns die Liebe zur Natur und die Lust am Mandern absprach. Aber er fühlte doch ganz richtig, daß vielen von uns sin Wesentliches fehlt, das dem Verhältnis des Deutschen zu Wald und Flur eine besondere Innigkeit verleiht. Es ist leider so, daß wir allzu oft in die Landschaft treten, wie der Uunstliebhaber vor ein Bild: ästhetisch angeregt, vielleicht entzückt, aber nicht mit jener Selbstverständlichkeit, dem Gefühl völliger Verknüpftheit mit Baum und Strauch und Fluß und Tier. Denkt an das deutsche Volkslied, wo Frau Lonne und der Rosenstrauch und das barfüßige Mädchen, das so arm und so reich ist wie die Tiere und Pflanzen, seine Gefährten, mit einander reden, als wären fie : gleicher Art, oder erinnert euch des Hohenliedes, wo Palmen und Menschen und Tedern und Weinberge und gar die Stadt Jerusalem mit ihren Mauern und Wächtern und dem großen Uönige David sich einen zu tiefer Harmonie. hie und da im hebräischen Liede, bei Bialik und in den Gesängen des jungen Palästina klingt es wie eine Erinnerung an das kostbare Gut der Naturnähe, daß nicht für ewig verloren sein kann. Wir freilich sind ärmer als die Ahnen und schlechter daran als unsere . Brüder in Erez Israel. Der überflüssige Lärm, der unsere Fahrten