Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 6 (4.1917)
- Date
- 1917-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dem langen grauen Barte und den klugen und guten Äugen. Und Esther, die wunderschöne und liebliche Tochter Judas, die spätere Aönigm und Retterin ihres Volkes. Ahasveros, der majestätische Aönig und Haman, der böse Neidling und Feind unseres Volkes» Die beiden Höflinge, deren Komplott gegen den Aönig von Mordechal vereitelt wird. Mordechais Ehrung: Moröechai der Jude wird von haman, seinem Hasser, durch die Macht geleitet, und ich höre hamans Stimme rufen: „Also geschieht dem Manne, den der Aönig ehren will." Die monotone Stimme des Rufers verkündet in Juda die Vogelfreiheit der Juden und eben diese Stimme verkündet mit gleicher Gefühlslosigkeit dann später die Aufhebung des grausamen Befehls. Ich sehe Esther bittend vor dem Aönig stehen und höre die königlichen Wort«: „Aönigm Esther, was ist dein Begehr? Und wenn du die Hälfte meines Reiches erbittest, es sei dir gewährt." Und auch einen Narren sehe ich im Spiele. Dem Hans Wurst wohl verwandt, aber doch ein Anderer. Vielleicht vom Stamme des Schlemiel ben Zuri oder Vorfahr des Nasenstern (heinischer Schöpfung) oder des Maschaleks altjüdischer Hochzeiten. Sie alle reden und agieren vor mir, empfinden Schmer; und Leid, Lust und Liebe. Ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte unseres Volkes, der fich vor uns abspielt. Und viele Herzen werden schneller schlagen, viele Heller blicken. Ein wonnig-frohes Jugendland wird fich ihnen erschließen, und wir Aelteren werden uns freuen an ihrer Freude, und ich wäre froh, wenn mir dann ein ganz Alter sagte, das wäre der Sinn des w’higadeto lebincho, der vom Gesetz verlangten Ueberlieferung vom Vater auf den Sohn. Breslau Georg Israel Am letzten purimfest haben wir hier in Breslau die ganze Purimgeschichte als Schattenspiel aufgeführt. An der Tür zwischen den beiden Zimmern des Stadtheims hing eine große Leinwand, hinter der sich das Schattentheater abspielte. Als Aostüm dienten Nachthemden, die am Gürtel mit einer Schnur zusammengerafft wurden. Esther und Ahasveros trugen Kronen aus Pappe. Da man ja aber vom dunklen Zuschauerraum aus nur di« Silhouetten sah» konnte man gut denken, die Kronen seien aus purem Golde und die Diener des Königs seien in Samt und Seide geklelidet. während immer einer die Purimgeschichte in schönen Reime« vorlas, spielte sich alles auf der Bühne ab: das Festmahl, die Ehrung Mordechais und ganz am Schluß sah man sogar den Höfen haman am Galgen hängen. Unter unseren Wanderkindern, die damals zahlreich erschienen waren, herrschte großer Jubelt. Schaloml Hanne Roth.