Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Ganz dunkel war es schon, als wir mit fröhlichem Gesang vor dem Heim ankamen. Lm wenig Laub hatten wir unterwegs für die Sukkah gesammelt — es reichte aber noch lange nicht. So gingen einige iti den Wald, um mehr z» suchen, wir anderen stellten die Betten für die Kleinen auf. Und allen, die die Sukkah mitbauen sollten, war es ganz eigen weihevoll zumute. $&t einige war es überhaupt das erste Wal, daß sie eine Sukkah sahen. Es war eine sa feierliche Stimmung über uns gekommen. als stünden wir vor einem wichtigen, herrlichen Erleben. Jetzt machten wir uns an die Arbeit. Ls wurde ein Eckpfeiler in die Erde gesenkt — unser Rasch pm&hl Von Hand zu Hand war die Schaufel gewandert, bis das Loch tief genug war. Ich mußte an einen Artikel au Palästina denken, den ich einmal gelesen habe: Einen Brunnen haben wir gegraben. Freilich! Hier war nicht das heilige Land, nur ein paar Juden waren zusammen — und doch gruben wir unseren Rasch pinrrh hinein.-Schon lange vorher hatten wir eine Lattentür und schmale Bretter besorgt, die zum Dach verwendet' wurden. Sie wurden nicht ohne Schwierigkeit festgenagelt. Dann hoben wir im Heim zwei Türen aus, die zwei wände bilden mußten. Bald hatten wir unsere Sukkah im Rohbau vor uns. Laub hatten wir noch immer nicht genug. Sa gingen wir denn alle gemeinsam in den Wald, um Zweige zu holen. Eine herrliche Sternennachtl Line Uhr hatte niemand mit — wir schätzten es ungefähr auf \2. — Schweigend sahen wir empor zum klaren Himmel. Die Sterne glitzerten und blinkten, und groß und hell stand der Mond in dem dunklen Blau. An der Nutebrücke machten wir Halt. Ganz unheimlich wälzte sich das waffer dort unten, was am Tage ganz harmlos aussieht, verändert die Nacht, so daß es seltsam drohend und geheimnisvoll wird. Doch nun ans Werk! Lin paar Bäume wurden geplündert, das Laub, das an der Erde lag. aufgenommen. Vollbepackt eilten wir nach Haus, und nun kam das Schönste am Bauen: das Ausschmücken! Einige kletterten auf das schräge Dach des Heimes und warfen das Laub von oben hinunter auf die Dachstäbe der Laubhütte — die andern flochten es von innen durch. Besonderen wert legten wir auf den Eingang, der ganz mit Laub verhängt wurde, von unten herauf bis zur Hälfte wurden die wände mit einem grünen Tuche ausgeschlagen, was sehr fein aussah! Nun holten wir die l 2 Fahnen der Stämme und unsere Ketten. Die Fahnen wurden an den Wänden verteilt. Jetzt hatte die Sukkah doch schon ein jüdisches Aussehens Die Kaftanienketten hingen wir auch an den wänden auf, während die bunten Papier-, ketten an der Decke entlanggezogen wurden. Ganz stolz übersahen wir unser Werk! Aber recht gemütlich sollte es erst werden, als wir den Boden gefegt und den weißgedeckten Tisch und alle Stühle, deren wir in der Finsternis habhaft werden konnten, hineingebracht hatten. Auf dem Tisch stand der Teller mit den beiden schönen Barches, die wir, in Ermangelung einer Schabbes.vecke mit einer Serviette zugedeckt hatten, wunderschön war unsere Sukkah geworden L Ungefähr 2 Uhr war es, als wir uns hineinfetzteu Die herrlichen Stunden, die wir hier nun verlebten, werden wir nie vergessen. Mitten in der kalten, dunklen Nacht hatten wir uns ein Stück echt jüdischen Lebens hergezaubert Lin Junge machte nun die Broche über die Barches und verteilte die Stückchen. Jetzt merkten wir erst, daß wir starken Hunger bekommen hatten. Ueber uns hivgen die Trau-» den, Aepfel und Datteln gar zu verführerisch! wir Hollen uns etwas Brot und aßen nun, aßen mit großem Appetit um Uhr nachts. Aber wie fein paßte